10 Fragen an Barbarella Dura

by Bücherstädterin Elisabeth

„Ich liebe es, Men­schen zusammenzubringen.“

[Interview] 10 Fragen an Barbarella Dura

Bücher­bän­di­ge­rin Eli­sa­beth hat es sich mit Bar­ba­rella Dura auf der Lausch­Couch bequem gemacht – und genauer nach­ge­fragt, was das eigent­lich ist.

1. Was ist das eigent­lich – die „Lausch­Couch“?

Mit mei­ner „Lausch­Couch“ biete ich lite­ra­ri­sche Aus­zei­ten. Das erklärt jetzt erst ein­mal nicht viel. Ich biete drei Dienst­leis­tun­gen an, bei denen es um Men­schen und Wör­ter geht. Zum Einen ver­fasse ich Kurz­ge­schich­ten und trage diese bei Lesun­gen vor. Hier­für kön­nen mich Inter­es­sierte buchen. Ich komme zu ihnen nach Hause oder an einen ande­ren Ort ihrer Wahl, lese und meist enden diese Lesun­gen in Dis­kus­sio­nen über das Gehörte. Das ist auch durch­aus erwünscht. Kom­mu­ni­ka­tion ist mir wichtig.
Was sich auch an mei­nem zwei­ten Ange­bot zeigt. Da ich selbst gerne Kri­mi­spiele spiele, ich mich aber oft dar­über geär­gert habe, dass ich zum Bei­spiel als Gast­ge­ber schon von Beginn an weiß, wer der Täter ist oder ich meis­tens min­des­tens 6–8 Leute zusam­men­krie­gen muss, um spie­len zu kön­nen, begann ich, meine eigene Kri­mi­spiel­reihe zu schrei­ben. Mein „Mords­spaß“ lässt sich – je nach Spiel – bereits zu viert spie­len. Außer­dem erfährt der Täter frü­hes­tens zu Ende des Spiels, dass er das Ver­bre­chen began­gen hat.
Last but not least biete ich indi­vi­du­elle Kurz­ge­schich­ten als Geschenk an. Das ist auch für mich immer ganz beson­ders. Mein Auf­trag­ge­ber trifft sich mit mir, wir unter­hal­ten uns über den­je­ni­gen, dem die Kurz­ge­schichte gewid­met wer­den soll und dann bin ich dran: die Infor­ma­tio­nen ver­ar­beite ich zu einem ganz ein­zig­ar­ti­gen Geschenk.

2. Wie bist du auf die Idee gekom­men, ein sol­ches Pro­jekt zu starten?

Wie ich schon sagte, ist mir Kom­mu­ni­ka­tion wich­tig. Ich liebe es, Men­schen zusam­men­zu­brin­gen. Wenn sie dann noch eine gute Zeit haben – umso bes­ser! Bei mei­nen Kri­mi­spiel­aben­den wird gelacht, gekeift, geflir­tet. Bei den Lesun­gen dis­ku­tiert und reagiert. Unsere Zeit ist so schnell­le­big und die Men­schen müs­sen sich nicht mehr im sel­ben Raum befin­den, wenn sie kom­mu­ni­zie­ren wol­len. Aber für mich ist die­ses Bei­ein­an­der­sein wich­tig. Ein­an­der in die Augen sehen, Kör­per­spra­che und Mimik lesen.
Bei den indi­vi­du­el­len Kurz­ge­schich­ten geht es mir darum, den Beschenk­ten glück­lich zu machen. Etwas Unver­gess­li­ches für sie oder ihn zu schaf­fen. Wenn jeman­dem beim Lesen der Geschichte Trä­nen in die Augen stei­gen, kriege ich Gän­se­haut. Das ist für mich der schönste Moment.

3. Wel­che Schwer­punkte setzt du dir bei dei­ner Arbeit?

Als ich vor fünf Jah­ren die Idee zur Lausch­Couch ent­wi­ckelte, gin­gen die Über­le­gun­gen noch in eine andere Rich­tung. Ich hatte vor, Kurz­ge­schich­ten – hübsch ver­packt – als klei­nes Mit­bring­sel zu ver­trei­ben. Lei­der bin ich über­haupt nicht begabt, wenn es ums Bas­teln und Erdenken von Ver­pa­ckun­gen geht und so starb die Idee bald dar­auf. Im Laufe der Zeit lan­dete ich bei dem, was die Lausch­Couch heute anbie­tet und fühle mich sehr wohl damit. Mei­nen Schwer­punkt könnte man in drei Worte zusam­men­fas­sen: ana­log zum Dialog.

4. Hast du für deine Kurz­ge­schich­ten lite­ra­ri­sche Vor­bil­der oder Gen­res, an wel­chen du dich orientierst?

Nicht wirk­lich. Ich lese für mein Leben gerne, habe aber keine direk­ten Vor­bil­der. Es gibt Autoren, die ich für Ihre Fähig­kei­ten bewun­dere, so zum Bei­spiel die lei­der schon ver­stor­bene Maeve Bin­chy. In ihren Büchern tra­ten unglaub­lich viele Cha­rak­tere auf, aber als Leser weiß ich den­noch immer, wer wer ist. Es ist eine hohe Kunst, so zu schrei­ben. Der Humor von Colin Cotte­rill spricht mich auch sehr an. Oder die Kri­mi­nal­ro­mane von Ian Ran­kin. Da zeich­net sich gerade ein roter Faden ab, oder? Ich mag bri­ti­sche Autoren.
Was Gen­res angeht, pro­biere ich alles aus. Ich lese gerne Kri­mis, also schreibe ich auch mit Vor­liebe maka­bre Kurz­ge­schich­ten. Aber auch Nach­denk­li­ches oder Lus­ti­ges berei­tet mir Freude. Es gibt nur ein Thema, das mir nicht wirk­lich liegt: Liebe. Ich habe zwei, drei roman­ti­sche Kurz­ge­schich­ten ver­fasst. Sie gehö­ren jedoch nicht zu mei­nen Favoriten.

5. Was inspi­riert dich außerdem?

Wör­ter. Oft ist es so, dass ich ein inter­es­san­tes Wort sehe oder höre und mir dazu sofort eine Idee kommt. Dann schreibe ich ein­fach drauf los und schaue, was am Ende rauskommt.

6. Durch deine sehr per­sön­li­che Arbeit mit Zuhö­rern oder Mit­spie­lern bist du Lob und Kri­tik direkt aus­ge­setzt. Gibt es denn kri­ti­sche Stim­men oder trennst du dich über­wie­gend mit einem posi­ti­ven und erfolg­rei­chen Gefühl?

Ich erlebe bei­des, wobei zum Glück die posi­ti­ven Momente über­wie­gen. Mitt­ler­weile habe ich fünf Kri­mi­spiele geschrie­ben. Da ich in jeder Rolle unmit­tel­bar drin­ste­cke, müs­sen sie test­ge­spielt wer­den, um zu sehen, ob die Ver­knüp­fun­gen, Hin­weise und Cha­rak­tere zuein­an­der pas­sen. Nach die­sen Test­spie­len gab es immer wie­der kri­ti­sche Stim­men. Aller­dings immer kon­struk­tive Kri­tik, die mich vor­an­bringt und mir Feh­ler aufzeigt.
Oder wenn ich an meine ers­ten bei­den Pro­be­le­sun­gen denke... Ich hatte sie ver­an­stal­tet, um zu schauen, wie meine Geschich­ten ankom­men und ob sie zum Bei­spiel geschlech­ter­spe­zi­fisch sind. Es gab Geschich­ten, die fie­len gna­den­los durch. Das tut manch­mal weh. Beson­ders, wenn ich genau solch eine Geschichte für ein Kleinod halte. Aber Geschmä­cker sind verschieden.
Bis­her habe ich jedoch viel Glück mit mei­nen Zuhö­rern gehabt. Wenn ich bei­spiels­weise für eine Geburts­tags­ge­sell­schaft lese und sehe und höre, wie die Men­schen reagie­ren, ist das ein unglaub­li­ches Gefühl. Wenn plötz­lich alle lachen. Oder ich die Betrof­fen­heit in ihren Augen sehen kann. Genau das sind die Momente, die auch mich berühren.
Am Aller­schöns­ten ist jedoch, wenn ich eine indi­vi­du­elle Kurz­ge­schichte auf zum Bei­spiel einer Feier vor­trage. Die­ser Moment, wenn der Beschenkte erkennt, dass es in der Geschichte um sie oder ihn geht. Die dar­auf fol­gende Auf­merk­sam­keit. Und dann – ganz oft – die Trä­nen. Da muss ich auf­pas­sen, dass ich nicht mitweine.

7. Beim „Mords­spaß“ geht es dir um die Inter­ak­tion der Mit­spie­ler und Betei­lig­ten. Woher kom­men die Ideen für die Rollenhefte?

Aus dem Leben. Ich beob­achte die Men­schen um mich herum und blät­tere gerne im loka­len Käse­blatt. Wenn man mit offe­nen Augen durch die Welt geht, ent­deckt man so eini­ges. Oder ich grabe tief in mei­nen nega­ti­ven Erfah­run­gen und Emo­tio­nen – da werde ich auch fün­dig. Meis­tens habe ich zuerst das Motiv oder das Umfeld, in dem das Ver­bre­chen statt­fin­den soll. Dann schreibe ich die Rol­len und kre­iere die Charaktere.

8. Ober­fläch­lich sieht es ja oft so aus, als wür­den sol­che Ideen und Auf­ga­ben spie­lend von der Hand geben. Wie kann man sich die Arbeit – Vor­be­rei­tung, Orga­ni­sa­tion und so wei­ter – für ein sol­ches Pro­jekt vor­stel­len? Wo sind die ver­steck­ten Zeit­fres­ser oder Hür­den, die man nicht direkt sieht?

Die Idee der Lausch­Couch bekannt zu machen, ist schwie­rig. Wenn man nicht weiß, dass es die­ses Ange­bot gibt, sucht man natür­lich auch nicht danach. Eine wei­tere große Hürde ist, dass die Men­schen nicht wis­sen, was es bedeu­tet, zum Bei­spiel eine indi­vi­du­elle Kurz­ge­schichte zu ver­fas­sen. Dem­entspre­chend sind einige nicht gewillt, den Preis dafür zu bezah­len. Doch für mich bedeu­ten diese Geschich­ten, dass ich mir die Zeit nehme, mich mit dem Auf­trag­ge­ber aus­führ­lich zu unter­hal­ten, mir Gedan­ken zum Beschenk­ten und dem Genre und Thema der Geschichte zu machen. Dann recher­chiere, schreibe, kor­ri­giere ich. Danach geht ein ers­ter Ent­wurf an den Auf­trag­ge­ber, um zu sehen, ob die Rich­tung stimmt. Meist fol­gen wei­tere Ände­run­gen. Bis zur Fer­tig­stel­lung einer Geschichte ver­geht also eini­ges an Zeit.
Der Auf­trag­ge­ber muss mir da ver­trauen, dass ich auch wirk­lich arbeite. Genau aus die­sem Grund gibt es aber auch einen Fest­preis. So weiß der Auf­trag­ge­ber, womit er rech­nen kann. Da ich bei den Kri­mi­spie­len bis­her frei schal­ten und wal­ten kann, ist für mich die ein­zige Hürde die Pro­duk­tion. Das ist der Teil, den ich am Wenigs­ten mag.
Am Ein­fachs­ten sind die Lesun­gen. Ich setze mich immer wie­der im All­tag hin und schreibe. Wenn ich dann für eine Lesung gebucht werde, muss ich nur vor­her ein wenig üben, damit die Beto­nung sitzt. Dann die Geschich­ten ein­pa­cken und los geht’s.
Zum Glück kenne ich so etwas wie Schreib­blo­cka­den nicht. Ich habe krea­ti­ves Schrei­ben von der Pike auf gelernt und kann es jeder­zeit abru­fen. Das ist auch der Grund, warum ich mich traue, indi­vi­du­elle Kurz­ge­schich­ten anzu­bie­ten. Ich muss nicht war­ten, bis mich die Muse küsst.

9. Gibt es denn Wün­sche, Ziele oder Pro­jekte, die du noch machen bzw. errei­chen möchtest?

Da gibt es so eini­ges. Ich möchte mich gerne mit ande­ren Krea­ti­ven ver­net­zen und gemein­sam wei­tere Ideen ent­wi­ckeln. Um die Ecke den­ken, Neues auf die Beine stel­len. Gemein­sam ist man muti­ger und erreicht mehr. Des­halb fände ich auch ein regel­mä­ßi­ges Tref­fen hier in Kre­feld toll. Als frei­be­ruf­li­che Autorin bin ich viel alleine, was manch­mal gar nicht schön ist. Für die Lausch­Couch wün­sche ich mir Men­schen, die mir zuhö­ren mögen und denen ich etwas Beson­de­res schen­ken möchte. Men­schen, die Worte schät­zen. Ja, das fasst es ganz gut zusammen.
Ein wei­te­rer Traum wäre es, einen Ver­lag zu fin­den, der meine Spiele pro­du­ziert und ver­treibt. Ich könnte mich dann voll und ganz aufs Schrei­ben des „Mords­spaß“ kon­zen­trie­ren. Da schlum­mern noch viele, viele Ideen in mei­nem Kopf.
Im Moment arbeite ich außer­dem an der Pla­nung für den 1. bun­des­wei­ten „Jack­pot“. Das ist ein 24-Stun­den-Event der deut­schen Krea­tiv­wirt­schaft. Jeder, der krea­tiv tätig ist, kann am 4. Sep­tem­ber seine Kunst vor­stel­len, Kurse anbie­ten, sein Ate­lier öff­nen oder – wie in mei­nem Fall – an ver­schie­de­nen Orten lesen. Was es alles geben wird, fin­det man auf www​.krea​tiv​-jack​pot​.de. Viel­leicht sehen wir uns ja bei einer mei­ner Lesun­gen in Krefeld!

10. Und zu guter Letzt: Stell dir vor, du wärst ein Buch. Wel­ches wäre es?

Wahr­schein­lich wäre ich ein Hör­buch mit auf­fäl­li­gem Cover. Mich hört und sieht man immer schon von Weitem.

Die­ses Inter­view erschien erst­mals in der 18. Aus­gabe des Bücher­stadt Kuriers.
Foto: pri­vat

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