10 Fragen an André Eymann (VSG) Videospielgeschichten

by Satzhüterin Pia

Ich könnte ins Schwär­men kom­men, denn für mich ist die gesamte Com­mu­nity des Blogs ein High­light an sich. Es ist wun­der­bar, mit wel­cher Hin­gabe und Authen­ti­zi­tät die AutorIn­nen schrei­ben und sich gegen­sei­tig unterstützen.

Seit 2009 sam­melt André Eymann auf der Web­seite video​spiel​ge​schich​ten​.de (VSG) per­sön­li­che Gast­bei­träge rund um das Spiel. Im Gespräch hat er Satz­hü­te­rin Pia erzählt, warum er sein Hobby nie zum Beruf machen würde, was ihm die Com­mu­nity bedeu­tet und wie es sich anfühlt, ein Video­spiel-Dino­sau­rier zu sein.

1. Was genau ist VSG? Wer schreibt dort und was sind die Inhalte?

VSG steht für Video­spiel­ge­schich­ten und ist eine offene Platt­form für Hob­by­au­toren und Jour­na­lis­ten. Der Blog wurde gegrün­det, um es jedem Men­schen, unab­hän­gig von sei­ner Pro­fes­sion, zu ermög­li­chen, per­sön­lich, authen­tisch und unab­hän­gig über Video­spiele zu schrei­ben. Das wich­tigste dabei ist für mich die Sub­jek­ti­vi­tät. Die Bei­träge auf der Web­seite sol­len ganz bewusst mit einer „per­sön­li­chen Note“ geschrie­ben sein und Mensch und Spiel als Ein­heit widergeben.

Schrei­ben darf bei uns jeder, der sei­ner Lei­den­schaft zu Video­spie­len und ihrem Kon­text Aus­druck ver­lei­hen möchte. Die Bei­träge span­nen dabei einen gro­ßen Bogen. Von teils sehr per­sön­li­chen Betrach­tun­gen über leben­dige Repor­ta­gen bis zu kom­ple­xen the­ma­ti­schen Abhandlungen.

2. Wie ist VSG entstanden?

Ein Freund von mir, Guido Frank, hatte im Februar 2001 seine Erleb­nisse mit Acti­vi­si­ons Klas­si­ker „Pit­fall!“ auf­ge­schrie­ben und auf mei­ner dama­li­gen Web­seite ver­öf­fent­licht. Ursprüng­lich sam­melte ich auf die­ser Web­seite Anlei­tun­gen für Atari VCS Spiele. Mehr und mehr Arti­kel kamen hinzu und im Jahr 2009 grün­dete ich Video­spiel­ge­schich­ten, um aus­schließ­lich Bei­träge über Video­spiele zu veröffentlichen.

3. Du hast kürz­lich unter ande­rem ein E‑Book zum Gemein­schafts­pro­jekt „Mein Augen­blick des Glücks in Video­spie­len“ her­aus­ge­bracht – wie kamst du auf E‑Books zusätz­lich zur Webseite?

Als ich die zahl­rei­chen Ein­zel­bei­träge zum Gemein­schafts­pro­jekt „Mein Augen­blick des Glücks“ am Bild­schirm las, kam mir die Idee, diese in einem „Buch“ zusam­men­zu­fas­sen. Ich stellte mir vor, dass sich die Viel­falt und der Tief­gang der Texte noch bes­ser in Buch­form lesen las­sen wür­den als vor dem sta­tio­nä­ren Computer.

Das Thema E‑Books hatte mich im Zusam­men­hang mit den Blog­bei­trä­gen schon vor­her inter­es­siert. Mit dem Pro­jekt der Augen­bli­cke hatte ich nun einen geeig­ne­ten Anlass, es in die Pra­xis umzu­set­zen. Dabei trieb mich auch an, dass ich tech­nisch wis­sen wollte, wie man ein E‑Book pro­du­ziert. Tat­säch­lich ist die grund­sätz­li­che Erwei­te­rung des Blogs über E‑Book-Inhalte nahe­lie­gend, denn die meis­ten Texte bei Video­spiel­ge­schich­ten sind „essay­haft“ und las­sen sich aus mei­ner Sicht wun­der­bar mit einem E‑Reader lesen.

4. Was waren aus dei­ner Sicht die bis­her größ­ten High­lights für VSG?

Das bereits erwähnte Gemein­schafts­pro­jekt mit über 70 Ein­sen­dun­gen gehört zwei­fel­los zu den bis­her größ­ten High­lights von VSG. Die Reso­nanz und die Offen­heit der Mit­wir­ken­den haben mich wirk­lich berührt. Es ist etwas ent­stan­den, das nur durch eine Com­mu­nity ent­ste­hen kann und ohne die Lei­den­schaft jeder ein­zel­nen Per­son nicht denk­bar gewe­sen wäre.

Dar­über hin­aus sind viele wei­tere Aspekte von VSG für mich per­sön­li­che High­lights. Bei­spiels­weise die ein­ge­spro­che­nen Audio-Bei­träge eini­ger AutorIn­nen oder die Tat­sa­che, dass sich die Mit­wir­ken­den unter­ein­an­der ver­net­zen und dadurch sogar Bekannt­schaf­ten ent­ste­hen. Ich könnte ins Schwär­men kom­men, denn für mich ist die gesamte Com­mu­nity des Blogs ein High­light an sich. Es ist wun­der­bar, mit wel­cher Hin­gabe und Authen­ti­zi­tät die AutorIn­nen schrei­ben und sich gegen­sei­tig unterstützen.

5. Genau wie VSG hat auch die Spie­le­welt einen gro­ßen Wan­del mit der Zeit durch­ge­macht. Wie hast du per­sön­lich das erlebt?

Ich wurde 1971 gebo­ren und gehöre damit zu den Dino­sau­ri­ern unter den Video­spie­len­den. Auf­ge­wach­sen mit PONG-Kon­so­len und Video­spiel­au­to­ma­ten habe ich jede Gerä­te­ge­ne­ra­tion per­sön­lich mit­er­lebt. In der Rück­schau ist es unfass­bar, was aus dem „Bild­schirm­ten­nis“ der Tele­spiele der Sieb­zi­ger gewor­den ist. Heute sind Video­spiele ein inte­gra­ler Bestand­teil unse­rer Frei­zeit- und Kunst­welt und trans­por­tie­ren sogar poli­ti­sche The­men. Was einst noch als „frea­kige“ Spie­le­rei eini­ger abge­tan wurde, ist mitt­ler­weile quer durch die Gesell­schaft aner­kannt. Ich staune oft über diese Ent­wick­lung und freue mich, dass die Spiel­kul­tur eine so große Ver­brei­tung erlangt hat.

Als greif­ba­res Ergeb­nis die­ses Wan­dels liebe ich Video­spiele aller Genera­tio­nen. In mei­nem Hob­by­zim­mer steht neben der PS4 ein Atari 800 XL Heim­com­pu­ter, auf dem ich zwi­schen­durch immer wie­der spiele. So geben sich „The Wit­cher 3: Wild Hunt“ von 2015 und „Gate­way to Aps­hai“ von 1983 die Klinke in die Hand. 32 Jahre lie­gen zwi­schen die­sen bei­den Spie­len! Und den­noch liebe ich beide Titel gleich­wer­tig. Die Magie für mich dabei: Video­spiele wer­den nicht „alt“, die Liebe zu ihnen bleibt zeitlos.

6. Ist etwas in die­ser Zeit auf der Stre­cke geblie­ben, was du dir zurückwünschst?

Natür­lich waren es magi­sche Momente als Elf­jäh­ri­ger mit dem bes­ten Freund das Aben­teuer von „The Mask of the Sun“ vor dem Com­mo­dore 64 gemein­sam zu lösen. Oder fieb­rig in Spiel­zeit­schrif­ten zu lesen, wel­ches Top-Spiel als nächs­tes kom­men wird. Koope­ra­ti­ves Spie­len in die­ser Form und auch die papier­nen Maga­zine von einst gibt es nicht mehr. Dafür aber viele neue Dinge wie bei­spiels­weise die bunte Welt der Indie-Games oder die Mög­lich­kei­ten des Aus­tau­sches der Spie­len­den über Social Media und Blogs. Dazu zählt natür­lich auch VSG, eine Platt­form, die es damals so nicht gege­ben hätte.

7. Was spielst du in dei­ner Frei­zeit am liebs­ten? Und warum?

Neben Fami­lie und Beruf bleibt lei­der wenig Zeit zum Spie­len. Die knappe Frei­zeit inves­tiere ich zu gro­ßen Antei­len in den Blog und den damit ver­bun­de­nen sozia­len Aus­tausch. Wenn sich aber doch grö­ßere Lücken erge­ben, spiele ich meist Spiele, die mich nicht stres­sen. Spon­tan fällt mir das groß­ar­tige „Wit­cher 3“ ein. Hier kann ich das Tempo bestim­men und mir ein­tei­len, was ich am Abend erle­ben möchte. In der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit spielte ich auch mit viel Freude „Fire­watch“ oder „Vir­gi­nia“. Alles Titel, die eher ent­span­nen und auf ihre Art erzäh­le­risch sind.

8. Wie wich­tig ist dir die Inter­ak­tion mit Lese­rin­nen und Lesern? Ersetzt Social Media alles oder wünscht du dir viel Kom­mu­ni­ka­tion auf der Web­seite selbst?

Die Inter­ak­tion mit der Com­mu­nity des Blogs ist mir sehr wich­tig, denn VSG ist nicht nur eine Veröffentlichungs‑, son­dern auch eine Inter­ak­ti­ons­platt­form. Die Kom­men­tare zu den Bei­trä­gen sind sel­ten Ein­zei­ler, son­dern viel­schich­ti­ges und oft gut aus­for­mu­lier­tes Feed­back, das den Text ergänzt und neue Aspekte hin­zu­fügt. So ent­steht ein Dis­kurs rund um die Inhalte. Ich per­sön­lich trete hier als Her­aus­ge­ber auf und ver­su­che, die Bei­träge der AutorIn­nen best­mög­lich zu prä­sen­tie­ren und den Aus­tausch zu fördern.

Für einen Dia­log eig­net sich ein Blog, bezie­hungs­weise die Kom­men­tar­kul­tur auf einem Blog, bes­ser als die sozia­len Medien. Bei Twit­ter zum Bei­spiel kann ich sehr schnell Infor­ma­tio­nen „abla­den“, aber sehr schlecht kom­plexe The­men „bespre­chen“. Hinzu kommt die tech­nisch bedingte Ver­kür­zung der Nach­rich­ten. Des­halb ver­su­che ich die Rolle rück­wärts und nutze Twit­ter dazu, die Men­schen auf den Kom­men­tar­be­reich des Blogs hinzuweisen.

9. Wel­che Frage hast du dir in einem Inter­view schon immer gewünscht? Wie würde deine Ant­wort auf deine Frage lauten?

Ob ich gern mein Hobby zum Beruf machen würde? Und die Ant­wort lau­tet: nein! Für mich ist die Liebe zu Video­spie­len und das damit ver­bun­dene Schrei­ben und Ver­öf­fent­li­chen ein wich­ti­ger Aus­gleich zum pri­va­ten und beruf­li­chen All­tag. Würde ich das ein­tau­schen, würde ich mich die­ses Aus­gleichs berau­ben und schlim­mer noch, viel­leicht sogar das Krea­tive und Unbe­stimmte des künst­le­ri­schen Aus­drucks durch Geld, Ter­min­druck und Ein­griffe von außen zer­stö­ren lassen.

10. Wenn du ein Video­spiel wärst, wel­ches wäre es?

„Vir­gina“ von Varia­ble State. Ich liebe Adven­tures, die Geschich­ten „erleb­bar“ machen. Für mich sind das inter­ak­tive Bücher, die ihre Vor­fah­ren in der „Inter­ac­tive Fic­tion“ der Acht­zi­ger Jahre haben. Damals haben Fir­men wie Info­com text­ba­sierte Aben­teuer erschaf­fen, die uns zum ers­ten Mal in Fan­ta­sie­wel­ten am Com­pu­ter ent­führ­ten. Ähn­lich wie Bücher es können.

Vie­len Dank für das schöne Gespräch!

Foto: pri­vat

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4 comments

Lenny 3. April 2020 - 16:26

Ein sehr schö­nes Inter­view, dass hof­fent­lich dazu bei­trägt, dass VSG zu noch grö­ße­rer Bekannt­heit gelangt. Somit zu mehr neuen AutorIn­nen, die viele tolle Geschich­ten über Video­spiele schrei­ben. Ich bin zwar nicht seit Anfang an dabei, aber was in den letz­ten Jah­ren mit und um VSG herum pas­siert ist, ist ein­fach nur toll und André ist da der wich­tigste Fak­tor. Denn er spricht zwar viel über die wirk­lich tolle Com­mu­nity, aber ohne seine Arbeit wäre das alles nicht möglich.

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Satzhüterin Pia 4. April 2020 - 13:26

Hallo Lenny, vie­len Dank! Wir freuen uns sehr, André und VSG auf diese Art vor­stel­len zu kön­nen und es ist natür­lich groß­ar­tig, dass das Inter­view der Com­mu­nity und den Lese­rin­nen und Lesern gefällt.

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Andre 4. April 2020 - 23:08

Ich möchte mich noch ein­mal herz­lich für das Inter­view bedan­ken. Es hat mir eine große Freude berei­tet, bei eurem schö­nen Pro­jekt mit­wir­ken zu dür­fen. Es ist immer wun­der­bar, so freund­li­che und ange­nehme Men­schen wie euch zu treffen.

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Satzhüterin Pia 6. April 2020 - 11:32

Dan­ke­schön André! Ich hatte viel Spaß beim Zusam­men­stel­len der Fra­gen und noch mehr Spaß beim Lesen der Ant­wor­ten 🙂 Und ja, da stimme ich dir voll­kom­men zu, mit so tol­len Kon­tak­ten macht das gleich noch mehr Freude!

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