Wer bin ich und wo gehöre ich hin?

Die Fra­ge nach Iden­ti­tät und Selbst­fin­dung ist et­was, wo­mit sich vie­le – un­ab­hän­gig vom Al­ter – aus­ein­an­der­set­zen. In Lane Smiths ak­tu­el­lem Bil­der­buch „Die Fähr­te der Kin­der“ be­gibt sich ein Kind auf die Su­che nach Ant­wor­ten. Zei­chen­set­ze­rin Ale­xa ist ihm ger­ne ge­folgt.

Wer bin ich und wo ge­hö­re ich hin? „Ein Kind macht sich auf die Su­che. Un­ter­wegs be­geg­net ihm die gan­ze Welt.“ Es trifft Zie­gen in den Ber­gen, tanzt mit den Pin­gui­nen, schwimmt im Meer mit den Qual­len und den Wa­len, fliegt mit ei­nem Ra­ben­schwarm, folgt den Ele­fan­ten und Schild­krö­ten, stampft mit der Af­fen­her­de, macht mit den Go­ril­las Mu­sik und be­ob­ach­tet Schmet­ter­lin­ge und Glüh­würm­chen. Stets zieht das Kind, nach­dem es die Tie­re ken­nen­ge­lernt hat, wei­ter. Es sieht die Viel­falt die­ser Welt: ver­schie­de­ne Tier­ar­ten, Ber­ge, Meer, Eis, Fel­sen, Wald, Ster­nen­him­mel. Es gibt viel zu ent­de­cken und zu er­le­ben! Doch nir­gend­wo fühlt sich das Kind zu­ge­hö­rig. Bis es eine Fähr­te sieht, die zu an­de­ren Kin­dern führt.

Le­bens­räu­me ent­de­cken

„Die Fähr­te der Kin­der“ spielt mit der na­tür­li­chen Neu­gier von Kin­dern. Mit­hil­fe der im Bil­der­buch dar­ge­stell­ten Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur wird es klei­nen Le­sern er­mög­licht, auf Ent­de­ckungs­rei­se zu ge­hen. So kön­nen sie Tie­re in ih­ren Le­bens­räu­men se­hen und durch Far­ben de­ren At­mo­sphä­re ken­nen­ler­nen: Blau­tö­ne ste­hen für Wasser- und Eis­wel­ten, Grün­tö­ne für wal­di­ge Ge­bie­te, Braun­tö­ne für Ge­bir­ge und Fel­sen. Eben­so wird durch die Farb­wahl Käl­te und Wär­me trans­por­tiert. Die Fähr­te selbst wird bunt dar­ge­stellt, so als wür­de sie vie­le be­reits ken­nen­ge­lern­te Ele­men­te ver­ei­nen, aber auch neue hin­zu­fü­gen. Ge­heim­nis­voll führt sie aus dem Bild, nur um auf der nächs­ten Sei­te fort­zu­ge­hen und auf­zu­de­cken, wer sie ge­legt hat.

Wo ge­hö­re ich hin?

Die Spra­che die­ses Bil­der­bu­ches ist ein­fach und be­dient sich vie­ler Wie­der­ho­lun­gen, zum ei­nen durch den Satz­bau und zum an­de­ren durch die Ver­wen­dung des wie­der­keh­ren­den Sat­zes „Es zieht wei­ter“. Durch die­se Aus­sa­ge wird im­mer wie­der be­tont, dass das Kind sein Ziel noch nicht er­reicht hat. Als es die Fähr­te fin­det, ge­langt es schluss­end­lich an ei­nen Ort, der gleich­be­deu­tend ist mit Hei­mat: Hier fühlt es sich zu­ge­hö­rig, hier kann es blei­ben. „Die Su­che ist zu Ende.“

Ge­ra­de im Hin­blick auf Iden­ti­tät und Zu­ge­hö­rig­keit ist die­ses Bil­der­buch emp­feh­lens­wert. Hier wird sehr an­schau­lich und kunst­voll eine Ge­schich­te ge­bo­ten, die dazu ein­lädt, nicht nur die Welt um sich her­um, son­dern auch sich selbst zu ent­de­cken.

Die Fähr­te der Kin­der. Lane Smith. Über­set­zung: Uwe-Michael Gutzsch­hahn. FISCHER Sauer­län­der. 2016.

Über Zeichensetzerin Alexa 86 Artikel
Zeichensetzerin Alexa ist - in Begleitung des Buchfinken - an verschiedenen Orten der Bücherstadt anzutreffen. Außerhalb dieser arbeitet sie als Erzieherin in einem Bremer Elternverein, studiert Germanistik und Kunst-Medien-Ästhetische Bildung und gestaltet ihr Projekt Zeichenblicke.

Kommentar hinterlassen

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*