Von Pizzabäckern und Bestsellern

Der fran­zö­si­sche Au­tor Da­vid Fo­en­ki­nos wirft in „Das ge­hei­me Le­ben des Mon­sieur Pick“ ei­nen Blick auf das Le­ben in der Pro­vinz und die Ei­gen­hei­ten des Li­te­ra­tur­be­triebs. Worte­we­be­rin An­ni­ka hat sich vom Ro­man über­ra­schen las­sen.

Ab­ge­lehn­te, un­ge­lieb­te, nie ver­öf­fent­lich­te Ma­nu­skrip­te: in ei­nem klei­nen Ört­chen in der Bre­ta­gne wer­den sie auf­be­wahrt, in ei­ner ex­tra Ab­tei­lung der Ge­mein­de­bi­blio­thek. Die Ver­le­ge­rin Del­phi­ne stößt hier auf ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Ro­man. Der Au­tor, der auf dem Ma­nu­skript ge­nannt wird, Hen­ri Pick, war von Be­ruf Piz­za­bä­cker und ist in­zwi­schen ver­stor­ben. Dass er ei­nen Best­sel­ler ge­schrie­ben ha­ben soll, kann die Wit­we Ma­de­lei­ne kaum glau­ben – und auch sonst wird der ein oder an­de­re skep­tisch. Gleich­zei­tig wirft die Ver­öf­fent­li­chung das Le­ben ganz un­ter­schied­li­cher Men­schen durch­ein­an­der: Die Ver­le­ge­rin steht plötz­lich im Ram­pen­licht, ihr Freund, selbst un­be­ach­te­ter Schrift­stel­ler, steht hin­ge­gen in ih­rem Schat­ten. Mon­sieur Picks Toch­ter wagt ei­nen Neu­an­fang und ein un­be­lieb­ter Li­te­ra­tur­kri­ti­ker be­gibt sich auf Spu­ren­su­che. Was steckt wohl wirk­lich hin­ter dem Ro­man des Mon­sieur Pick?

Da­vid Fo­en­ki­nos er­zählt hu­mor­voll und leicht, doch gleich­zei­tig ge­lingt es ihm, sei­nen Le­sern das ein oder an­de­re Schnipp­chen zu schla­gen. Trotz der wech­seln­den Per­spek­ti­ven, aus de­nen der Ro­man er­zählt ist, weiß man bis zum Ende selbst nicht, was ei­gent­lich vor­ge­fal­len ist im Dorf in der Bre­ta­gne.

Fast möch­te man sa­gen, Fo­en­ki­nos sei ein „ty­pisch fran­zö­si­scher“ Ro­man ge­lun­gen, auch im Hin­blick auf Frank­reich als Gast­land der dies­jäh­ri­gen Frank­fur­ter Buch­mes­se. Die Ge­schich­te er­in­nert an An­toi­ne Lau­rains Tex­te, in de­nen im­mer ein Ge­gen­stand im Zen­trum der Hand­lung steht und das Le­ben zu­fäl­lig dar­über ver­bun­de­ner Men­schen auf den Kopf stellt. Was bei Lau­rain ein Hut oder ein Ge­mäl­de sein kann, ist bei Fo­en­ki­nos der Ro­man. Doch das al­lein wird „Das ge­hei­me Le­ben des Mon­sieur Pick“ nicht ge­recht, denn Fo­en­ki­nos geht es noch um et­was an­de­res, näm­lich um die Li­te­ra­tur­bran­che, die er mit viel Sinn für Hu­mor aufs Korn nimmt. Statt des eher mä­ßi­gen In­halts oder Schreib­stils des auf­ge­tauch­ten Ma­nu­skripts in­ter­es­sie­ren sich Le­ser und Me­di­en glei­cher­ma­ßen vor al­lem für den Au­tor Hen­ri Pick. Der Ro­man wird zum ge­fei­er­ten Best­sel­ler, Tou­ris­ten fal­len in Scha­ren in der Bre­ta­gne ein. So stellt sich die Fra­ge da­nach, wie viel Sub­stanz die Li­te­ra­tur selbst ei­gent­lich hat und wie viel nur Show und Me­di­en­rum­mel sind.

Das ge­hei­me Le­ben des Mon­sieur Pick. Da­vid Fo­en­ki­nos. Aus dem Fran­zö­si­schen von Chris­ti­an Kolb. Deut­sche Verlags-Anstalt. 2017.

Worteweberin Annika
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Ich wäre ger­ne ein klei­nes Buch, das man ir­gend­wann mal ge­le­sen hat und das ei­nem so gut ge­fal­len hat, dass man es im­mer wie­der aus dem Re­gal zieht, um ei­nen Lieb­lings­satz noch ein­mal zu le­sen oder ein­fach über die Sei­ten zu strei­chen.

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