💘💓💖💛💝

Heu­te, in Zei­ten von on­line Messaging-Diensten und stän­di­ger Er­reich­bar­keit, ist es nicht mehr be­son­ders kom­pli­ziert, ei­nem ge­lieb­ten Men­schen sein Herz aus­zu­schüt­ten. Ein paar Klicks auf eine Tas­ta­tur und schon weiß der an­de­re, dass man an ihn denkt. Sei es nun in Form ei­nes Emo­ji wie 💘, 😘 oder 💕 oder mit ei­ner aus­ge­klü­gel­ten Bot­schaft wie: „Ich hab dich gern.“ Nicht zu­letzt die Me­dia­ti­sie­rung und neue Tech­no­lo­gi­en ha­ben un­se­re Kom­mu­ni­ka­ti­on in Lie­bes­be­zie­hun­gen ver­än­dert. – Von Worte­we­be­rin An­ni­ka

In „Schrei­ben Sie mir, oder ich ster­be“, her­aus­ge­ge­ben von Pe­tra Mül­ler und Rai­ner Wie­land, kom­men Lie­ben­de (und Lei­den­de) ei­ner äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on zu Wort. Die Brie­fe stam­men aus ei­ner Zeit, als die Post noch tage- und wo­chen­lang mit Kut­schen, Bo­ten und Schif­fen un­ter­wegs sein konn­te, als man sich nicht im­mer mal eben eine Nach­richt schrei­ben konn­te und des­we­gen fein ge­spon­ne­ne, von Ge­füh­len trie­fen­de Brie­fe noch Hoch­kon­junk­tur hat­ten. Aus­ge­wählt wur­den hier be­son­ders schö­ne Brie­fe be­rühm­ter Per­so­nen wie Lud­wig van Beet­ho­ven, Erich Ma­ria Re­mar­que oder Franz Kaf­ka.
In den Tex­ten set­zen sie die Spra­che ein, um wah­re Liebes-Kunstwerke zu er­schaf­fen. Hin­ter den per­sön­li­chen Brie­fen tre­ten die­se Per­so­nen als Men­schen her­vor, wie man sie an­ders nie ken­nen­ler­nen wür­de. Sie schrei­ben von über­schäu­men­der Lei­den­schaft, Sehn­sucht, aber auch von Zu­rück­wei­sung und schmerz­li­chem Ver­lust, wie die trau­ern­de Ma­rie Cu­rie nach dem Tod ih­res Man­nes in an­rüh­ren­den Zei­len: „Auf dem Fried­hof ges­tern woll­te mir nicht ge­lin­gen, die in den Stein ge­mei­ßel­ten Wor­te ‘Pierre Cu­rie’ zu be­grei­fen.“ Durch die ge­schick­te Aus­wahl der Tex­te fühlt man sich als Drit­ter je­doch nicht als pie­tät­lo­ser Ein­dring­ling in die trau­te Zwei­sam­keit.

Den Brie­fen bei­ge­fügt sind je­weils Her­aus­ge­ber­tex­te, in de­nen die Lie­bes­bot­schaft in das Le­ben der Paa­re ein­ge­ord­net wird. So er­fährt man, ob die sich im Brief an­bah­nen­de Ehe, das kunst­vol­le Wer­ben oder das schmerz­li­che Bit­ten mit Er­folg ge­krönt wur­de, oder den Schrei­ben­den nur eine kur­ze Ver­liebt­heit ver­gönnt war, bis sich neue Lieb­schaf­ten er­öff­ne­ten.

„Schrei­ben Sie mir, oder ich ster­be“ ist im Ran­dom Hou­se Au­dio Ver­lag auch als Hör­buch er­schie­nen. Den pro­mi­nen­ten Brie­fe­schrei­bern lei­hen hier eben­so pro­mi­nen­te deut­sche Hör­buch­spre­cher ihre Stim­men. Mar­ti­na Ge­deck, Anna Thal­bach, Devid Strie­sow, Diet­mar Wun­der und vie­le an­de­re sind da­bei und stel­len un­ter Be­weis, wel­che Band­brei­te an Ge­füh­len sie al­lein durch die Stim­me zum Aus­druck brin­gen kön­nen. Vor­ge­le­sen er­schei­nen die Tex­te emo­tio­nal sehr pa­ckend. Als Fa­zit kann man bei die­sem tol­len Hör­buch also nur fest­hal­ten: 💝

Schrei­ben Sie mir, oder ich ster­be. Lie­bes­brie­fe be­rühm­ter Frau­en und Män­ner. Her­aus­ge­ge­ben von Pe­tra Mül­ler und Rai­ner Wie­land. Mit den Stim­men von: Mar­ti­na Ge­deck, Anna Thal­bach u.a. Ran­dom Hou­se Au­dio. 2016.

Über Worteweberin Annika 33 Artikel
Ich wäre ger­ne ein klei­nes Buch, das man ir­gend­wann mal ge­le­sen hat und das ei­nem so gut ge­fal­len hat, dass man es im­mer wie­der aus dem Re­gal zieht, um ei­nen Lieb­lings­satz noch ein­mal zu le­sen oder ein­fach über die Sei­ten zu strei­chen.

Kommentar hinterlassen

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*