Philosophischer Humor, gepaart mit sich verwandelnder Kunst

Zelli und Jakob Cover

Im Som­mer 2014, ge­nau­er ge­sagt am 5. April des Jah­res, er­öff­ne­te die vom Schwei­zer Künst­ler Mar­tin Schwarz an­ti­zi­pier­te Dau­er­aus­stel­lung „Kunst­zoo“ im Schloss Schroz­berg im gleich­na­mi­gen Ort im Nor­den Baden-Württembergs. Ge­gen­stand der Aus­stel­lung wa­ren – ganz pro­fan aus­ge­drückt – sich wan­deln­de Tie­re. So spiel­te Schwarz mit der Dar­stel­lung von Mensch und Tier in un­ter­schied­lichs­ten Me­di­en und form­te die­se in et­was Neu­es um. Da fand sich das ein oder an­de­re An­zug tra­gen­de Eu­len­männ­chen oder auch eine Kat­zen­da­me im vor­neh­men Kleid.
Die­se und noch vie­le wei­te­re Kunst­wer­ke, die nach dem As­pekt der Ver­wand­lung ent­stan­den, fin­den sich im zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung in Schwarz’ EigenArt-Verlag pu­bli­zier­ten Band „Ja­kob und Zel­li. Ein phi­lo­so­phi­sches Appenzeller-Allotria“.

Viel­fäl­ti­ge Ver­wand­lungs­küns­te

Der 96-seitige Band er­scheint dem Be­trach­ter im hand­li­chen Quer­for­mat, sein Co­ver wird von zwei hüb­schen hei­me­li­gen Lam­pen ge­ziert. Aber Mo­ment! Das sind gar kei­ne Lam­pen... ei­gent­lich han­delt es sich um ein Buch. Klingt un­mög­lich? Kei­nes­wegs.
Die­ses und vie­le wei­te­re Aus­stel­lungs­stü­cke im Band ver­kör­pern Schwarz’ lang­jäh­ri­ges Pro­jekt, mit Bü­chern zu ar­bei­ten und die­se durch den Ein­satz von Papp­ma­ché und an­de­ren Na­tur­ma­te­ria­li­en in neue Ob­jek­te zu ver­wan­deln. Der Band ent­hält the­ma­tisch also nicht nur Tie­re, son­dern er­wei­tert das Spek­trum von tra­di­tio­nell er­stell­ten Ge­mäl­den nach dem Vor­bild an­de­rer be­deu­ten­der Künst­ler wie Pi­cas­so, Cé­zan­ne und van Gogh noch um künst­le­risch be­ar­bei­te­te un­be­weg­te Ge­gen­stän­de. Und die­se er­wach­sen nicht nur aus Bü­chern! Eben­so fin­den sich Blu­men­töp­fe mit wort­wört­lich zu ver­ste­hen­den „Hörner­ge­wäch­sen“, oder eine Mu­schel, die sich aus ei­nem va­sen­ähn­li­chen Ob­jekt ent­wi­ckelt – oder an­ders­her­um.

Die­se zahl­reich ab­ge­bil­de­ten Ge­mäl­de und Fo­to­gra­fi­en zei­gen un­ter an­de­rem ab­ge­wan­del­te Por­traits und Ap­pen­zel­ler Land­schafts­ge­mäl­de, die die im Band ab­ge­druck­te Er­zäh­lung um das frisch ge­ba­cke­ne Ehe­paar Zel­li und Ja­kob Gam­ser ab­run­den. Die bei­den hei­ßen ei­gent­lich Anna-Chronista und Egon Plüsch und le­ben nun im Appenzeller-Land. Um sich an das bäu­er­li­che Le­ben an­zu­pas­sen, ha­ben sie sich um­be­nannt und le­ben in ei­ner Hüt­te ein recht zu­frie­de­nes Le­ben. In die­sem er­le­ben sie al­ler­hand mehr oder min­der wun­der­sa­me, selt­sa­me Be­ge­ben­hei­ten und Be­geg­nun­gen und sin­nie­ren dar­über und vie­les mehr, nicht nur zu nacht­schla­fen­der Zeit im Bett.

Die Er­zäh­lung ist ge­spickt mit Ap­pen­zel­ler Hu­mor so­wie phi­lo­so­phi­schen Ge­dan­ken und Zi­ta­ten. Sie schlägt er­zäh­le­ri­sche Ha­ken, de­nen der Laie viel­leicht nicht ganz zu fol­gen ver­mag – weiß aber durch­aus zu un­ter­hal­ten und zum Nach­den­ken an­zu­re­gen. Die Mi­schung aus Text und Bild er­gibt ei­nen sehr in­ter­es­san­ten Kunst­band, der zum Le­sen und Stau­nen ein­lädt – ein Band, den man ger­ne mehr­mals in die Hand nimmt!

Über den Künst­ler

Mar­tin Schwarz, ge­bo­ren 1946 in Win­ter­thur, hat sich zum Grafiker-Lithographen aus­bil­den las­sen und die Kunst­ge­wer­be­schu­le in Zü­rich be­sucht. Schwarz ist seit 1968 in der Schweiz und Köln, so­wie seit ei­ni­gen Jah­ren in Bar­ten­stein und sei­nem Ge­burts­ort Win­ter­thur als frei­schaf­fen­der Künst­ler in vie­len un­ter­schied­li­chen Be­rei­chen der Kunst tä­tig, un­ter an­de­rem in der Ma­le­rei, Ob­jekt­kunst, Fo­to­gra­fie, Kon­zept­kunst und Com­pu­ter Art. Eben­so gibt er in sei­nem Win­ter­thu­rer EigenArt-Verlag Bü­cher her­aus und agiert auch selbst als Au­tor.
Schwarz hat seit 1982 auch mit dem Schwei­zer Künst­ler HR Gi­ger zu­sam­men­ge­ar­bei­tet – meh­re­re Aus­stel­lun­gen und ein Kunst­band ent­stan­den aus die­ser Ko­ope­ra­ti­on.

Für wei­te­re In­for­ma­tio­nen über die Ar­bei­ten von Mar­tin Schwarz emp­fiehlt sich ein Be­such auf sei­ner Home­page, auf der man Kunst­wer­ke be­stau­nen, Tex­te über sei­ne Ar­bei­ten und Aus­stel­lun­gen le­sen und auch sei­ne Buch­aus­ga­ben so­wie Post­kar­ten be­stel­len kann.

Clau­dia

Zel­li und Ja­kob. Ein phi­lo­so­phi­sches Appenzeller-Allotria. Das ein­ge­färb­te Echo: Bil­der­ver­wand­lun­gen nach Pi­cas­so, van Gogh, Mo­diglia­ni, Ce­zan­né, Arp. Ex­po­na­te aus dem Kunst­zoo. Mar­tin Schwarz. EigenArt-Verlag. 2014.

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