Oase des Friedens: Ein Monat auf dem Land

Der Ro­man „A Month in the Coun­try“ von Jo­seph Lloyd Carr er­schien 1980 und wur­de be­reits 1987 mit Co­lin Firth in der Haupt­rol­le ver­filmt. Zei­chen­set­ze­rin Ale­xa hat die­sen „mo­der­nen Klas­si­ker“ in der im ver­gan­gen Jahr er­schie­ne­nen Über­set­zung von Mo­ni­ka Köp­fer ge­le­sen und wun­dert sich nun sehr dar­über, war­um die­ses Büch­lein nicht schon viel frü­her auf Deutsch er­schie­nen ist.

Die Ge­schich­te um den Re­stau­ra­tor Tom Bir­kin be­ginnt im York­shire der 1920er Jah­re. Es ist Som­mer, als er in Ox­god­by an­kommt, um dort sei­nen Auf­trag an­zu­ge­hen, ein mit­tel­al­ter­li­ches Fres­ko frei­zu­le­gen. Hier, in­mit­ten idyl­li­scher Land­schaf­ten, er­hofft er sich Ruhe und Frie­den: „Das Wun­der­ba­re war in­des, dass ich in die­ser Oase des Frie­dens ge­lan­det war und mir ei­nen Som­mer lang über nichts an­de­res den Kopf zer­bre­chen müss­te, als die­ses Wand­ge­mäl­de frei­zu­le­gen.“ (S. 28) Bir­kin hat viel zu ver­ar­bei­ten: den Krieg, die Strei­te­rei­en mit sei­ner Ehe­frau Vin­ny – die Ar­beit, der er sich in der Kir­che an­nimmt, hilft ihm da­bei, sei­ne Ge­dan­ken zu sor­tie­ren. Je mehr er von die­sem Ge­mäl­de frei­legt, des­to mehr kommt er sich selbst nä­her.

Schließ­lich lernt er Ke­achs Frau Ali­ce ken­nen. Ihre Ge­füh­le für­ein­an­der schwin­gen zwi­schen den Zei­len wie ein Ge­heim­nis, von dem nie­mand er­fah­ren darf. So ent­wi­ckelt sich eine lei­se Lie­bes­ge­schich­te, die Hoff­nun­gen weckt – und zwei Men­schen die Chan­ce gibt, ein neu­es Le­ben zu be­gin­nen. Doch die Rol­len, in de­nen sie sich be­fin­den, hin­dern sie dar­an, ihre Ge­füh­le zu äu­ßern. Bir­kin weiß, dass für Ali­ce die Ehe et­was ist, das man nicht bricht. „Man darf nicht ver­ges­sen, es war das Jahr 1920, eine völ­lig an­de­re Zeit. Des­halb ver­schloss ich mei­ne Ge­füh­le für sie tief in mei­nem Her­zen, und dort soll­ten sie auch bis zu mei­ner Ab­rei­se blei­ben.“ (S. 132/133)

Idyl­li­sche Ruhe

Durch Landschafts- und Stim­mungs­bil­der wird eine At­mo­sphä­re ge­schaf­fen, die zeit­los ist. All­ge­gen­wär­tig ist die Ruhe an die­sem idyl­li­schen Ort: „Es war un­ge­fähr sie­ben Uhr abends und so ru­hig, dass ich das Ge­fühl hat­te, man hät­te hö­ren kön­nen, wenn je­mand eine Mei­le wei­ter weg ge­spro­chen hät­te.“ (S. 93) Die melancholisch-klare Spra­che trägt die Le­sen­den durch die Ge­schich­te und lädt zu ei­ner Rei­se aufs Land ein, dort­hin, wo Na­tur und Mensch wie­der eins sein kön­nen. Und je mehr man von Ap­fel­bäu­men und flie­ßen­den Bä­chen liest, des­to grö­ßer wird der Wunsch, eben­je­nen Ort auf­zu­su­chen, in der Hoff­nung, dort eben­so wie Bir­kin Ruhe zu fin­den.

„Aber es gibt Zei­ten, in de­nen der Mensch und die Erde eins sind, wenn der Puls des Le­bens be­son­ders kraft­voll schlägt, wenn das Le­ben von Ver­hei­ßung strotzt und wir dar­auf ver­trau­en, dass sich die Zu­kunft si­cher und vor­her­seh­bar vor uns er­streckt wie eben­die­se Stra­ße, die in die Hü­gel führ­te.“ (S. 119)

„Ein Mo­nat auf dem Land“ ver­spricht nicht zu viel: Die Co­ver­ge­stal­tung – schlicht in Weiß und Grün ge­stal­tet – deckt sich mit dem Klap­pen­text. Der In­nen­teil über­zeugt noch mehr. Meis­ter­haft er­zählt Carr eine Ge­schich­te, die sprach­lich so­wie in­halt­lich auf eine sehr an­ge­neh­me und ru­hi­ge Wei­se fes­selt. Löb­lich zu er­wäh­nen ist hier­bei die Ar­beit der Über­set­ze­rin Mo­ni­ka Köp­fer, die ei­nen gro­ßen und wich­ti­gen Teil dazu bei­ge­tra­gen hat, dass die­ses Werk in sol­cher Qua­li­tät er­schie­nen ist.

Ein Mo­nat auf dem Land. Jo­seph Lloyd Carr. Über­set­zung: Mo­ni­ka Köp­fer. Du­Mont. 2016.

Über Zeichensetzerin Alexa 84 Artikel
Zeichensetzerin Alexa ist - in Begleitung des Buchfinken - an verschiedenen Orten der Bücherstadt anzutreffen. Außerhalb dieser arbeitet sie als Erzieherin in einem Bremer Elternverein, studiert Germanistik und Kunst-Medien-Ästhetische Bildung und gestaltet ihr Projekt Zeichenblicke.

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