Im Lande Mordor, wo die Schatten drohen

Mit dem Spiel „Mit­tel­er­de: Mordors Schat­ten“ schließt War­ner Bros. die Lü­cke zwi­schen „Der Hob­bit“ und „Der Herr der Rin­ge“. Aus der Per­spek­ti­ve des Wald­läu­fers Ta­li­on er­le­ben wir nicht nur den Be­ginn von Sau­rons Rück­kehr nach Mordor, son­dern ge­hen auch dem Ur­sprung des Ei­nen Rin­ges auf den Grund. Ge­schich­ten­er­zäh­ler Adri­an ist Ta­li­on hin­ter das Schwar­ze Tor ge­folgt.

Als ein Schat­ten den Him­mel ver­dun­kelt, bricht die Höl­le über die Wald­läu­fer vom Schwar­zen Tor her­ein. An­ge­führt von den drei schwar­zen Haupt­män­nern – der Schwar­zen Hand, dem Turm und dem Ham­mer – sind Sau­rons Le­gio­nen ge­kom­men, um sich die Län­de­rei­en um den Schick­sals­berg her­um wie­der­zu­ho­len. In die­sem aus­sichts­lo­sen Kampf muss der Wald­läu­fer Ta­li­on erst mit an­se­hen, wie sei­ne Frau und sein Sohn ge­tö­tet wer­den, und schließ­lich selbst sein Le­ben las­sen. Je­doch ist dies nicht sein Ende, denn der Geist ei­nes mys­te­riö­sen El­ben na­mens Ce­le­brim­bor er­greift von sei­nem Kör­per be­sitz und holt ihn zu­rück von den To­ten. An­ge­trie­ben von Ra­che­ge­füh­len und aus­ge­stat­tet mit neu­en Fä­hig­kei­ten, ma­chen sich Ta­li­on und der El­ben­geist auf, die schwar­zen Haupt­män­ner zu stür­zen und zu er­fah­ren, was es mit dem selt­sa­men Pakt auf sich hat, durch den Ta­li­on wie­der­be­lebt wur­de.
Da­bei sto­ßen sie auf mehr oder we­ni­ger zu er­ah­nen­de Ver­bün­de­te. So un­ter an­de­ren auf die mensch­li­chen Be­woh­ner der Ebe­nen von Udûn und auf den ehe­ma­li­gen Wald­läu­fer Hir­gon. Aber auch ein Ork na­mens Rat­bag tritt an Ta­li­on her­an und ver­spricht die­sem, ihm bei sei­nem Feld­zug zu hel­fen, wenn er ihm im Ge­gen­zug beim Auf­stieg in­ner­halb der Ar­mee der Orks be­hilf­lich ist.

Das feh­len­de Stück Ge­schich­te

Wie be­reits er­wähnt, füllt die Ge­schich­te von „Mit­tel­er­de: Mordors Schat­ten“ die Lü­cke zwi­schen den zwei gro­ßen Tolkien-Geschichten. Durch die Zu­sam­men­ar­beit mit den Ver­ant­wort­li­chen der Tolkien-Verfilmungen – Pe­ter Jack­son, Middle-Earth En­ter­pri­ses und etwa Weta Work­shop – ist dem Team von Mo­no­lith ge­lun­gen, eine fes­seln­de und glaub­haf­te Ge­schich­te zu er­zäh­len. Auch die Ne­ben­cha­rak­te­re, ob­wohl sie nicht viel Screen­ti­me ha­ben, sind gut ge­schrie­ben und tra­gen zur At­mo­sphä­re der Ge­schich­te und dem Set­ting bei. Das noch nicht kom­plett zer­stör­te Land um das Schwar­ze Tor her­um zu er­kun­den, sorgt für meh­re­re Stun­den Spiel­spaß. Al­lein die Aus­sicht von ei­nen der Tür­me über die wei­ten, fast ma­le­ri­schen Gras­land­schaf­ten der Küs­ten­re­gi­on am Núr­nen­meer ist ein­fach schön.
Durch Sam­mel­ob­jek­te, wie etwa spe­zi­el­le Waf­fen, Ge­schirr und Sons­ti­gem, was in Mordor her­um­liegt, er­fah­ren wir zu­dem noch wei­te­re De­tails über das Land so­wie die Men­schen und Orks, die dar­in le­ben. Mit Hil­fe von Gol­lum de­cken wir im­mer wei­ter die Ver­gan­gen­heit des Ra­che­geis­tes Ce­le­brim­bor auf, der schein­bar mehr ist als ein ein­fa­cher El­ben­krie­ger.

Eine ei­ge­ne Ar­mee und das Ne­me­sis Sys­tem

Durch die Hil­fe von Ce­le­brim­bor ste­hen Ta­li­on nicht nur die Men­schen von Mordor zu Sei­te. Es ist eben­falls mög­lich, sich in­ner­halb der Ar­mee der Orks eine ei­ge­ne Ar­mee zu­sam­men­zu­su­chen. Mit der Fä­hig­keit „Brand­mar­ken“ kön­nen wir etwa die Kon­trol­le über ei­nen Feind über­neh­men, ihn ver­hö­ren oder eine To­des­bot­schaft an ei­nen Vor­ge­setz­ten Ork über­brin­gen. Be­droh­te Orks rüs­ten ihre Leib­wäch­ter auf, brin­gen aber mehr Er­fah­rung und bes­se­re Ru­nen, mit de­nen man zu­sätz­li­che Fä­hig­kei­ten er­hält.
Die Welt von „Mit­tel­er­de: Mordors Schat­ten“ wirkt sehr at­mo­sphä­risch und nach­voll­zieh­bar. Hier­zu trägt das so­ge­nann­te Ne­me­sis Sys­tem bei, wel­ches auch die Orks nicht nur wie na­men­lo­ses Schlacht­vieh für Ta­li­on wir­ken lässt. Sind wir etwa ei­nem Ork schon ein­mal be­geg­net, wur­den von ihm ge­tö­tet oder ha­ben sein Le­ben ver­schont, so er­in­nert sich die­ser an jene Tat und trägt ne­ben­bei viel­leicht noch Nar­ben von letz­ten Auf­ein­an­der­tref­fen mit sich.

Meu­cheln in Mordor

Um den Re­lease her­um hat­te das Spiel den Bei­na­men „Assassin’s Creed: Mit­tel­er­de“, da es ei­ni­ge Ähn­lich­kei­ten mit dem Meu­chel­spiel von Ubi­soft ha­ben soll­te. Als je­mand, der recht ver­traut mit den Assassin’s Creed-Teilen ist, kann ich die­se Be­zeich­nung größ­ten­teils ent­kräf­ten. Ich muss ge­ste­hen, dass etwa das Schlei­chen in „Mit­tel­er­de: Mordors Schat­ten“ um ei­ni­ges bes­ser von der Hand geht als bei Assassin’s Creed. Es ist ein­stei­ger­freund­li­cher und Schleich­mis­sio­nen füh­ren nicht zu Frust, son­dern för­dern den Drang, es noch ein­mal zu pro­bie­ren oder ei­nen an­de­ren Weg zu neh­men.
Zwar wird Ta­li­on über die Zeit etwa mit Fast-Kills – ab ei­nem Kombo-Wert von 30 kön­nen bis zu zwei Geg­ner so­fort ge­tö­tet wer­den – zu ei­nem ziem­lich blut­rüns­ti­gen Kämp­fer, soll­ten die Hor­den an Geg­nern je­doch zu groß wer­den (was durch­aus vor­kom­men kann), so un­ter­liegt er den­noch recht schnell.

Mein Fa­zit

Mit „Mit­tel­er­de: Mordors Schat­ten“ hat Ent­wick­ler Mo­no­lith ein schö­nes und glaub­haf­tes Stück Mit­tel­er­de ge­schaf­fen. Es sorgt für meh­re­re Stun­den Spiel­spaß und bis auf den ent­täu­schen­den End­kampf, wel­cher mit ein paar Quicktime-Events ab­ge­früh­stückt wur­de, bie­tet es eine pa­cken­de Ge­schich­te und ein gu­tes Kampf­sys­tem.
Ich emp­feh­le je­doch die Fin­ger von der Play­Sta­ti­on 3-Version zu las­sen, da das Spiel dort mit mat­schi­gen Gra­fi­ken und La­de­zei­ten von bis zu drei Mi­nu­ten eine ziem­li­che Ka­ta­stro­phe ist. Trotz der Al­ters­emp­feh­lung von 16 Jah­ren wür­de ich we­gen des ho­hen Grads an Ge­walt­dar­stel­lung eher zu ei­ner Emp­feh­lung ab 18 Jah­ren ra­ten – auch wenn es „nur“ Orks sind.

Ge­tes­tet auf der Play­Sta­ti­on 3 und der Play­Sta­ti­on 4.

Mit­tel­er­de: Mordors Schat­ten. Mo­no­lith Pro­duc­tions (Ent­wick­lung). War­ner Bros. In­ter­ac­tive (Pu­blisher). 2014. Für PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One.

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