Eine Liebesgeschichte zwischen Mensch und Roboter

Eine Neu­ver­fil­mung mit ei­nem groß­ar­ti­gen Schau­spie­ler, die den­noch nicht an den Er­folg des Ori­gi­nals an­knüp­fen kann. Ein Kin­der­film, der als seich­te, aber gute Un­ter­hal­tung wahr­ge­nom­men wur­de. War­um Flub­ber ei­gent­lich Weebo hei­ßen soll­te und noch heu­te ei­nen Blick wert ist. – Von Stadt­be­su­cher Lu­kas

Das Col­le­ge, an dem der ge­nia­le, aber zer­streu­te Pro­fes­sor Phil­lip Brai­nard (Ro­bin Wil­liams) und sei­ne Ver­lob­te Sara Jean Reynolds (Mar­cia Gay Har­den) leh­ren, wird von dem skru­pel­lo­sen Ge­schäfts­mann Hoe­ni­cker be­droht. Brai­nard möch­te durch eine bahn­bre­chen­de Er­fin­dung das Col­le­ge ret­ten und ent­wi­ckelt eine neue Ma­te­rie. Er nennt sie „Flub­ber“. Da­mit ist zwar der wis­sen­schaft­li­che Durch­bruch ge­schafft, doch über sei­ner Ar­beit hat Brai­nard die Hoch­zeit mit sei­ner Ver­lob­ten ver­ges­sen. Es steht also Är­ger an. Flub­ber kann zwar eine gan­ze Men­ge, doch der Pro­fes­sor wird ei­ni­ges leis­ten müs­sen, um das Herz sei­ner ver­setz­ten Ver­lob­ten zu­rück­zu­ge­win­nen. Au­ßer­dem ver­su­chen der fie­se Ge­schäfts­mann Hoe­ni­cker und Brai­nards Erz­ri­va­le Wil­son (Chris­to­pher Mc­Do­nald) Flub­ber zu ent­wen­den.

Die Tech­nik und Weebo

Die Tech­nik des Phil­lip Brai­nard ist ein Wun­der­ding. Sei­ne Ex­pe­ri­men­te sind ful­mi­nant und sei­ne Auf­bau­ten er­in­nern eher an Al­che­mie. So sind auch die Wir­kun­gen sei­ner Ex­pe­ri­men­te phä­no­me­nal. Der Haus­halt wird von Ro­bo­tern ge­führt. Die Wis­sen­schaft dient hier ih­rem klas­si­schen Zweck: der Er­leich­te­rung des mensch­li­chen Le­bens. Doch bei Brai­nard kann sie noch weit mehr. Wis­sen­schaft ist ein om­ni­po­ten­tes Mit­tel in der Hand des klu­gen An­wen­ders. So et­was wie For­schungs­skep­sis taucht in die­sem Film noch nicht auf.

Ab­ge­se­hen von nütz­li­chen Ro­bo­tern oder der be­ein­dru­cken­den neu­en Ma­te­rie Flub­ber gibt es aber auch noch Weebo. Die­ser Ro­bo­ter ist in den Pro­fes­sor ver­liebt. Weebo will Brai­nard nicht auf­ge­ben, ob­wohl er mit Sara ver­lobt ist. Da­her er­in­nert sie ihn auch nicht an die Hoch­zeit und bringt da­mit die Din­ge ins Rol­len. Als lie­bes­hung­ri­ger Ro­bo­ter ist es für Weebo be­son­ders wich­tig, ob sie über­haupt wie die Men­schen lie­ben kann oder nicht. Da dies zu­nächst in Zwei­fel ge­zo­gen wird, ver­sucht sie sich zu ver­mensch­li­chen, doch da­bei droht dem Pro­fes­sor, sei­ne ei­ge­ne Mensch­lich­keit ab­han­den zu kom­men. Weebo kann sei­ne Trau­er nicht er­tra­gen und ver­sucht Brai­nards Le­bens­lust zu er­hal­ten, ob­wohl sie da­für ihre Wün­sche zu­rück­stel­len muss.
Weebo ist also ein Ro­bo­ter, der sich ver­lie­ben kann. Sie wünscht sich so­gar ein Mensch zu sein, da­mit die Lie­be zwi­schen ihr und dem Pro­fes­sor mög­lich wäre. Sie hat eine Vor­stel­lung von Nähe, Se­xua­li­tät und emp­fin­det so­gar Scham. Au­ßer­dem lernt sie sich zu­rück­zu­stel­len und in al­tru­is­ti­scher Wei­se zu ver­zich­ten, um dem Glück des Pro­fes­sors nicht im Wege zu ste­hen.

Fa­zit

Weebo ist die kom­ple­xe­re und span­nen­de­re Er­fin­dung des Pro­fes­sors. Der Kon­flikt, der auf ih­ren Schul­tern aus­ge­tra­gen wird, treibt die Hand­lung vor­an. Wäh­rend Flub­ber nur ein nütz­li­ches Mit­tel ist, tritt Weebo als in­ter­es­san­te, ei­gen­stän­di­ge Per­son auf. In­so­fern hät­te man den Film Weebo und nicht Flub­ber nen­nen kön­nen. Viel­leicht hät­te ihre dra­ma­ti­sche Si­tua­ti­on dann auch den ver­dien­ten Platz in der Auf­merk­sam­keit des Pu­bli­kums be­kom­men.

Da Weebo Ge­füh­le hat, kon­fron­tiert sie sich und ihre Um­welt mit ih­rer Exis­tenz als Ro­bo­ter. Da­durch wird ein ganz an­de­rer Blick auf das Ver­ständ­nis der Tech­nik in die­sem Film mög­lich: Die wun­der­sa­me Tech­nik des Phil­lip Brai­nard ist ein Wun­der­ding, wel­ches so­gar Per­sön­lich­kei­ten schaf­fen kann. Aber es gibt den­noch Gren­zen zwi­schen den gren­zen­lo­sen Mög­lich­kei­ten der Tech­nik und dem, was mensch­lich ist. Die­se Un­ter­schei­dung bleibt im Film im­mer ein biss­chen vage, aber im­mer als trei­ben­de Kraft im Mit­tel­punkt der Hand­lung. Wer am Tech­nik­ver­ständ­nis des aus­ge­hen­den 20. Jahr­hun­derts In­ter­es­se hat, oder sich fragt wo die Gren­zen zwi­schen Ma­schi­ne und Mensch ver­lau­fen, für den ist die­ser Film noch heu­te ei­nen Blick wert.

Flub­ber. Re­gie: Les May­field. Dreh­buch: John Hug­hes. Dar­stel­ler: Ro­bin Wil­liams Mar­cia Gay Har­den. Film­ver­leih: Walt Dis­ney. USA, 1997. FSK: 0.

Il­lus­tra­ti­on: Buch­stap­le­rin Mai­ke

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