Der Fall Fabian – Ein Meerschweinchen-Mord? (Teil II)

Des Rät­sels Lö­sung

Jes­si­ca Green war nor­ma­ler­wei­se ein äu­ßerst pünkt­li­cher Mensch. Sie stand je­den Mor­gen früh auf, mach­te das Früh­stück zu­recht, nach­dem sie ihre Toch­ter ge­weckt hat­te, und fuhr Mar­ley zum Kin­der­gar­ten. Dort hol­te sie sie üb­li­cher­wei­se mit­tags wie­der ab. Jes­si­ca, von ih­rem Mann wie ih­ren Freun­den ‘Jess’ ge­nannt, ar­bei­te­te halb­tags in ei­ner Kin­der­kli­nik, und freu­te sich an je­dem Tag aufs Neue, wenn sie ihre Toch­ter wohl­be­hal­ten wie­der ab­ho­len konn­te.
An die­sem Mor­gen al­ler­dings war ir­gend­wie al­les schief ge­lau­fen. Sie hat­te ver­schla­fen, so­dass Mar­ley sie hat­te we­cken müs­sen, und so­mit war auch das Früh­stück aus­ge­fal­len. Es war ein Wun­der ge­we­sen, dass Jess nicht am Früh­stücks­tisch noch­mals ein­ge­schla­fen war. Ge­ra­de­wegs mit dem Kopf in die Müsli-Schüssel oder die Kaffe-Tasse? Es moch­te viel­leicht als ex­zel­len­te Anti-Aging-Maske an­ge­prie­sen wer­den, doch war es de­fi­ni­tiv nicht ihre Auf­fas­sung ei­nes ‘gu­ten Mor­gens’.
Jess lä­chel­te in sich hin­ein und park­te ihr Auto vor dem Kin­der­gar­ten, stieg aus und stieg die klei­ne Stei­gung zur bunt be­häng­ten Glas­tür hin­un­ter.
Kaum hat­te sie die Tür ge­öff­net, bim­mel­te ein Glo­cken­spiel über ih­rem Kopf, und der Lärm spie­len­der Kin­der drang durch den Tür­bo­gen hin­durch. Jess be­weg­te sich zur Gar­de­ro­be im Klein­for­mat, an der das Bild ei­ner grau ge­ti­ger­ten Kat­ze an­ge­bracht war. Mar­ley hat­te ei­gent­lich eher ein Herz für Hun­de, doch die­se Pla­ket­te an ih­ren bes­ten Freund Finn ab­ge­tre­ten. Jess at­me­te ei­nen Mo­ment durch, wäh­rend sie auf ein Zei­chen war­te­te, dass ihre An­kunft be­merkt wor­den war, und die Kindergarten-Tante ih­ren Kopf aus dem Tür­bo­gen steck­te.

Es dau­er­te et­was, doch Tan­te Mo­ni­ca – ihre an­de­re Kol­le­gin, die neu war und de­ren Name sie dau­ernd ver­gaß, schien mit den Kin­dern et­was zu spie­len – tauch­te doch auf. „Hal­lo Miss Green!“, sie lä­chel­te breit, et­was ver­zagt, „Mar­ley ist in ei­ner Mi­nu­te da.“
Sie dreh­te sich um, rief nach Jes­si­ca Greens Toch­ter, die gleich her­an­kam. Mar­ley lä­chel­te strah­lend, kaum er­blick­te sie ihre Mut­ter, und Jess dank­te al­len ihr be­kann­ten Mäch­ten für die­sen Son­nen­schein von Toch­ter. „Und, Mar­ley?“, sie um­arm­te sie zur Be­grü­ßung, „Was habt ihr heu­te ge­macht?“ „Wir hat­ten ei­nen Mord­fall!“, er­zähl­te Mar­ley auf­ge­regt und Jess konn­te nicht um­hin, Tan­te Mo­ni­ca ei­nen Blick mit hoch­ge­zo­ge­ner Au­gen­braue zu­zu­wer­fen. „Ach so?“, frag­te sie halb an ihre Toch­ter, halb an die Be­treue­rin ge­wandt.
„Un­ser Meer­schwein­chen Fa­bi­an ist über das Wo­chen­en­de ein­ge­gan­gen, und ich war heu­te früh et­was spät dran“, Mo­ni­ca lä­chel­te ver­le­gen, „Also konn­te ich ihn nicht mehr recht­zei­tig aus dem Weg räu­men. Aber Mar­ley hier hat den ‘Mord­fall’ gut ge­meis­tert!“

Wort­klau­be­rin Eri­ka
Il­lus­tra­ti­on: Buch­stap­le­rin Mai­ke

Wortklauberin Erika
Über Wortklauberin Erika 16 Artikel

Wortklauberin Erika schaltet und waltet in der Bücherstadt vom beschaulichen Wien aus. Sie studiert im Master Vergleichende Literaturwissenschaft mit einem Schwerpunkt auf Psychoanalyse, Metafiktion und Kulturtransfer und ist in der Schreibdidaktik tätig.

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