Das Leben eines Endes

Nach­dem Zei­len­schwim­me­rin Ron­ja auf der dies­jäh­ri­gen Leip­zi­ger Buch­mes­se die neue Michael-Ende-Biographie ent­deckt hat­te, war sie na­tür­li­ch sa­tan­ar­chäolü­ge­ni­al­koh­öl­li­sch neu­gie­rig, was drin steht …

Mi­cha­el Ende wur­de durch sei­ne Kinder- und Ju­gend­bü­cher in­ter­na­tio­nal be­kannt. „Die un­end­li­che Ge­schich­te“, „Momo“, „Jim Knopf“ und „Der sa­tan­ar­chäolü­ge­ni­al­koh­öl­li­sche Wunsch­punsch“ sind nicht nur in Deutsch­land vie­len ein Be­griff, wenn nicht durch die Bü­cher selbst, dann durch die Ver­fil­mun­gen. Mi­cha­el Ende ist zwar ei­ner der be­kann­tes­ten deut­schen Schrift­stel­ler, aber ein gro­ßer Teil sei­nes Werks und sei­nes Le­bens ist all­ge­mein eher un­be­kannt.
Ei­gent­li­ch woll­te Mi­cha­el Ende im­mer „mehr“ sein, als „nur“ ein Kin­der­buch­au­tor. Ob­wohl er sich da­ge­gen aus­ge­spro­chen hat, Kinder- und Ju­gend­li­te­ra­tur für we­ni­ger wich­tig zu be­fin­den als Er­wach­se­nen­li­te­ra­tur, hat­te Ende sein gan­zes Le­ben da­mit zu kämp­fen, dass er ei­gent­li­ch fürs Thea­ter hat­te schrei­ben wol­len und aus­ge­rech­net dort der Er­folg für ihn aus­blieb.

m-ende-coverBir­git Dan­kert zeigt in sie­ben Ka­pi­teln die ver­schie­de­nen Sei­ten von Mi­cha­el Ende: Schlech­ter Schü­ler und welt­of­fe­ner Men­sch. Er­folg­rei­cher Kin­der­buch­au­tor und ge­schei­ter­ter Dra­ma­ti­ker. Glück­li­ch ver­hei­ra­te­ter Ehe­mann und doch Ehe­bre­cher. Ob­wohl Bir­git Dan­kert sich sicht­li­ch be­müht hat, die Af­fä­ren und Be­zie­hun­gen Mi­cha­el En­des mög­lichst re­spekt­voll und so kurz wie mög­li­ch zu be­han­deln, scheint dies ein wich­ti­ger Teil sei­nes Le­bens und sei­ner Per­sön­lich­keit ge­we­sen zu sein und nimmt dem­entspre­chend auch et­was Raum ein. Bis auf eine Aus­nah­me – ein Zi­tat von Ende selbst auf Sei­te 86 – blieb je­doch kein trau­ma­ti­sie­ren­der Satz bei mir hän­gen.

Die nicht un­we­sent­li­che Fra­ge, wie denn die Bio­gra­phie ge­schrie­ben ist, kann ich wie folgt be­ant­wor­ten: gut. Sie liest sich flüs­sig und ist in­for­ma­tiv, ohne über­la­den zu sein. Ei­ni­ge we­ni­ge Ab­sät­ze sind durch in Klam­mern ge­setz­te biblio- und fil­mo­gra­phi­sche An­ga­ben zu den ent­spre­chen­den Ti­teln et­was un­schön zu le­sen. Da dies je­doch nur ein sehr ge­rin­ger An­teil ist und die Zi­ta­ti­on aus fach­wis­sen­schaft­li­cher Sicht nicht nur nö­tig son­dern auch kor­rekt ist, soll­te dies eher als Vor­zug die­ser Bio­gra­phie an­ge­se­hen wer­den.
Scha­de ist da­ge­gen, dass die we­ni­gen Bil­der, die in­te­griert wur­den, durch den Druck in schwarz-weiß nicht son­der­li­ch gut zur Gel­tung kom­men. Da­für ist die Bio­gra­phie al­ler­dings gut re­cher­chiert. Ne­ben den ver­blie­be­nen An­ge­hö­ri­gen, Freun­den und Be­kann­ten, mit de­nen Bir­git Dan­kert ge­spro­chen hat, wur­den zahl­rei­che Text-, Video- und Ton­quel­len ver­wen­det. Auch En­des ei­ge­ne Wer­ke, be­kann­te wie un­be­kann­te, sind mit ein­ge­bun­den, inkl. In­halts­an­ga­ben für alle, die den In­halt die­ser Wer­ke nicht ken­nen oder man­ches seit der Lek­tü­re ver­ges­sen ha­ben.

Mit Hil­fe die­ser Quel­len be­rich­tet Bir­git Dan­kert nicht von En­des Le­ben, son­dern klärt auch sei­ne Rol­le für die Li­te­ra­tur, die De­bat­te über Rea­li­täts­flucht von Kin­dern durch phan­tas­ti­sche Li­te­ra­tur und be­leuch­tet sei­ne Per­sön­lich­keit aus meh­re­ren Blick­win­keln.
Ende Ken­ner kön­nen sich also über eine aus­ge­gli­che­ne Bio­gra­phie freu­en und alle, die sich zum ers­ten Mal nä­her mit der Per­son Mi­cha­el Ende be­fas­sen wol­len, kön­nen nun end­li­ch mehr le­sen, als das In­ter­net preis­gibt.

Mi­cha­el Ende – Ge­fan­gen in Phan­tà­si­en. Bir­git Dan­kert. Lam­bert Schnei­der Ver­lag. 2016.

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