Buchkunst mit Fuchs

Die re­nom­mier­te Il­lus­tra­to­rin und Ty­po­gra­fin Co­ra­lie Bickford-Smith hat mit „Der Fuchs und der Stern“ ihr ers­tes ei­ge­nes Buch ver­öf­fent­licht. Worte­we­be­rin An­ni­ka hat sich das Buch­kunst­werk an­ge­se­hen.

Der Fuchs liebt sei­nen Stern, der ihm jede Nacht auf der Jagd und beim To­ben im Wald den Weg leuch­tet. So muss der Fuchs kei­ne Angst ha­ben, im Wald ver­lo­ren zu ge­hen. Doch ei­nes Nachts taucht der Stern nicht mehr auf und der Fuchs ver­kriecht sich tief­trau­rig in sei­nem Bau. Tage spä­ter aber, auf­ge­rüt­telt von ei­ner Mahl­zeit aus vie­len, vie­len Kä­fern, macht sich der Fuchs auf die Su­che und ent­deckt: Der gan­ze Him­mel ist vol­ler Ster­ne.

„Der Fuchs und der Stern“ ist eine kur­ze Fa­bel über Mut, über Freund­schaft und Ver­trau­en. Eben­so gut kann man dar­in aber auch eine ein­fa­che Ge­schich­te über Füch­se und Ster­ne le­sen. Denn da der Text sehr we­ni­ge Hin­wei­se oder An­rei­ze zur In­ter­pre­ta­ti­on bie­tet, bleibt die Aus­sa­ge der Ge­schich­te of­fen. Das ist ei­ner­seits eine Stär­ke, denn so kön­nen sich so­wohl Kin­der als auch Er­wach­se­ne den Text auf ihre ei­ge­ne Wei­se er­schlie­ßen. An­de­rer­seits kann „Der Fuchs und der Stern“ sei­ne Le­ser aber auch rat­los zu­rück las­sen. War­um ver­schwin­det der Stern? Und wie­so gab es vor­her nur ei­nen Stern, jetzt aber ei­nen gan­zen Ster­nen­him­mel? Bei all der Of­fen­heit bie­tet die Ge­schich­te hier kei­ne lo­gi­schen Ant­wor­ten und wer die Ge­schich­te als sol­che liest, könn­te da­von ent­täuscht wer­den. Viel­leicht braucht es die Ant­wor­ten aber auch gar nicht, wenn hier blo­ßes Ge­fühl pa­ra­bel­haft ab­ge­bil­det wird.

Ein wah­res Buch­kunst­werk

In die­sem Buch steht die Hand­lung na­tür­lich auch nicht al­lei­ne, jede Sei­te ist mit wun­der­schö­nen Il­lus­tra­tio­nen ge­schmückt. Die­se sind farb­lich schlicht und in dunk­len Far­ben ge­hal­ten, mit oran­gen Ak­zen­ten und pas­send dazu auch ei­ner oran­gen Bin­dung. Teil­wei­se sind die Text­ele­men­te di­rekt in die Il­lus­tra­tio­nen mit ein­ge­bun­den, zum Bei­spiel er­set­zen Wor­te die krab­beln­den Kä­fer oder ver­ste­cken sich zwi­schen Blät­tern.
Bickford-Smith spielt mit gra­fi­schen Ele­men­ten und er­zeugt da­bei ein wah­res Buch­kunst­werk. Viel wich­ti­ger als die Hand­lung ist an „Der Fuchs und der Stern“ si­cher­lich die Ge­stal­tung. Die Bil­der von Ka­nin­chen im Farn, von Ster­nen, Dor­nen und Bäu­men sind ein wah­rer Au­gen­schmaus. In ih­rer Schlicht­heit ge­fal­len die Il­lus­tra­tio­nen mög­li­cher­wei­se vor al­lem Er­wach­se­nen. Auch durch die hoch­wer­ti­ge Auf­ma­chung mit Lei­nen­ein­band und sehr kräf­ti­gem Pa­pier ist „Der Fuchs und der Stern“ ein Kunst­werk, das sich zum Ver­schen­ken ge­nau­so eig­net, wie zum Be­hal­ten, Blät­tern und Gu­cken. Wer die et­was dün­ne Ge­schich­te da­bei in Kauf nimmt, kann in Co­ra­lie Bickford-Smiths Buch ei­nen klei­nen Schatz fin­den.

Der Fuchs und der Stern. Co­ra­lie Bickford-Smith. Aus dem Eng­li­schen von Ste­fa­nie Ja­cobs. In­sel Ver­lag. 2016.

Über Worteweberin Annika 19 Artikel
Ich wäre ger­ne ein klei­nes Buch, das man ir­gend­wann mal ge­le­sen hat und das ei­nem so gut ge­fal­len hat, dass man es im­mer wie­der aus dem Re­gal zieht, um ei­nen Lieb­lings­satz noch ein­mal zu le­sen oder ein­fach über die Sei­ten zu strei­chen.

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