Was ist denn nun die „letzte Liebe“?

by Seitenkünstler Aaron

Zur Auf­takt­ver­an­stal­tung der 24. Lite­ra­Tour Nord in Bre­men hat Alina Bron­sky aus ihrem Roman „Baba Dun­jas letzte Liebe“ im Lite­ra­tur­café Ambi­ente gele­sen. Ein viel­ver­spre­chen­der Auf­takt. - Von Sei­ten­künst­ler Aaron

In „dich­ter“ Atmosphäre

Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag­abend um kurz vor 20 Uhr dräng­ten sich ca. 120 Gäste in das Lite­ra­tur­café Ambi­ente. Doch nicht alle Inter­es­sier­ten schaff­ten es in den über­füll­ten kreis­run­den Saal, in dem wenig spä­ter die erste der sechs Lesun­gen der Lite­ra­Tour Nord statt­fin­den sollte. Nur die Hälfte der Besu­cher erhielt einen Sitz­platz – teil­weise sogar hin­ter dem Tre­sen des Aus­schanks – alle ande­ren muss­ten ste­hen. Die anwe­sen­den Stu­den­ten soll­ten auch gar keine Sitz­ge­le­gen­hei­ten erhal­ten, denn die Sitz­plätze waren zah­len­den und älte­ren Besu­chern vor­be­hal­ten. Das Stim­men­ge­wirr vie­ler Gesprä­che, der Geruch gefüll­ter Wein­glä­ser und das matte Licht erzeug­ten den­noch eine ange­nehme Stim­mung. Die dichte Atmo­sphäre betraf so nicht nur Raum­not und Atem­luft, son­dern ließ sich auch an den erwar­tungs­vol­len Gesich­tern der Lite­ra­tur­freunde ablesen.

Es war kurz nach 20 Uhr, als Alina Bron­sky und Axel Dun­ker, der Mode­ra­tor der Ver­an­stal­tung, an einem Tisch in der Mitte des Rau­mes Platz nah­men. Die Autorin saß gerade und mit neu­tra­ler Miene auf ihrem Stuhl, eine Aus­gabe ihres neuen Buches „Baba Dun­jas letzte Liebe“ in der Hand. Prof. Sau­ter­meis­ter, der lang­jäh­rige Mode­ra­tor der Lite­ra­Tour Nord in Bre­men, eröff­nete den Abend mit einer Begrü­ßung und einem Dank an die Unter­stüt­zer der Ver­an­stal­tungs­reihe, bevor er die Mode­ra­tion an sei­nen Nach­fol­ger Axel Dun­ker, Pro­fes­sor für neuere deut­sche Lite­ra­tur an der Uni Bre­men, über­gab. Die­ser erläu­terte den Anwe­sen­den den Ablauf der Lite­ra­Tour Nord und wies auf die Stimm­kar­ten hin, mit denen die Besu­cher am Ende der Ver­an­stal­tungs­reihe ihren Favo­ri­ten für den nord­deut­schen Lite­ra­tur­preis wäh­len können.

Klei­ner Lese­ma­ra­thon und große Fragen

Nach den orga­ni­sa­to­ri­schen Infor­ma­tio­nen stellte Herr Dun­ker die in der Nähe von Sibi­rien gebo­rene Autorin vor und beschrieb den Inhalt des Romans „Baba Dun­jas letzte Liebe“. Anschlie­ßend rich­tete Bron­sky zunächst mit­füh­lende Worte an das dicht gedrängte Publi­kum, bevor sie zu lesen begann. Die Autorin star­tete am Anfang ihres Buches. Beim Zuhö­ren ent­wi­ckel­ten sich die Bil­der im Kopf noch bes­ser als beim Lesen, denn Bron­sky betonte klei­nere Poin­ten, die schnell über­le­sen wer­den kön­nen. Das Publi­kum lachte gele­gent­lich auf, hörte aber die rest­li­che Zeit gedul­dig den ruhi­gen, ein­fa­chen Sät­zen zu.

Nach­dem sie 25 Minu­ten unun­ter­bro­chen gele­sen hatte, legte sie eine kurze Pause ein und erklärte, dass sie einige „Sze­nen“ über­sprin­gen würde. Dass sie aus­ge­rech­net einige der span­nends­ten Text­stel­len nicht vor­las, ent­täuschte ein wenig, doch sie fasste deren Inhalt zusam­men. Mit die­ser Ent­schei­dung ver­mied die Autorin, den­je­ni­gen die Span­nung zu neh­men, die ihr Buch noch nicht gele­sen hat­ten. Den zwei­ten, zehn­mi­nü­ti­gen Lese­vor­trag been­dete Bron­sky mit einem „Dan­ke­schön“ und griff schnell nach einem Glas Was­ser. Am Ende hatte ihre Stimm­me­lo­die etwas nach­ge­las­sen – kein Wun­der, denn die Autorin hatte zuvor noch am sel­ben Tag eine Lesung in Olden­burg gehalten.

Damit war die Lesung abge­schlos­sen und es folgte ein halb­stün­di­ges Gespräch mit dem Mode­ra­tor und dem Publi­kum. Dun­ker stellte dabei ver­tie­fende und inter­es­sante Fra­gen, wie es von einem Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler zu erwar­ten war. Bron­skys Ant­wor­ten ver­mit­tel­ten dage­gen eine rela­ti­vierte, offene und ober­fläch­li­chere Sicht auf ihren Roman. Sie habe sich beim Schrei­ben zwar einige Gedan­ken gemacht, doch ließ sie bewusst Platz für die Deu­tun­gen der Lese­rIn­nen. Die ange­spro­che­nen The­men betra­fen unter ande­rem das Alter, die Prot­ago­nis­tin und den Ort der Hand­lung als Mischung aus idyl­li­scher Uto­pie und Schre­ckens­ort. Man sollte auf­hö­ren, wenn es am schöns­ten ist. Auch der Mode­ra­tor been­dete den Abend recht­zei­tig, bevor der letzte Sauer­stoff im Raum ver­at­met wurde.

Ein viel­ver­spre­chen­der Auftakt

Die erste Ver­an­stal­tung der 24. Lite­ra­Tour Nord ist als vol­ler Erfolg anzu­se­hen, denn sowohl die Lesung als auch die Mode­ra­tion und die beant­wor­te­ten Fra­gen lie­ßen die Gäste mit einem erfüll­ten Gefühl aus dem Lite­ra­tur­café Ambi­ente gehen. Letz­te­res nur lei­der sehr lang­sam auf­grund des Platz­man­gels. Wäh­rend sich einer­seits die Betrei­ber des Lite­ra­tur­ca­fés sicher über die vie­len Besu­cher freu­ten, frag­ten sich ande­rer­seits die Gäste, ob auch die wei­te­ren Ver­an­stal­tun­gen der­art über­füllt sein wür­den. Ein überpünkt­li­ches Erschei­nen emp­fiehlt sich daher für die nächste Lesung, die mit Ulrich Schacht am 8. Novem­ber um 20 Uhr begin­nen soll. Für die Zukunft ließe sich nur eine bes­sere Lösung für den Ver­an­stal­tungs­ort erhof­fen, denn mit die­sen Besu­cher­zah­len zeigt sich die stei­gende Rele­vanz die­ses Lite­ra­tur­prei­ses und sei­ner Lesungen.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen zur Veranstaltungsreihe:
www​.lite​ra​tournord​.de/​l​e​s​e​r​e​ise

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