Staatsgeheimnisse oder Freiheitsrechte

by Geschichtenzeichnerin Celina

Im neu erschie­ne­nen Film „Die Ver­le­ge­rin“ (Ori­gi­nal­ti­tel: „The Post“) von Ste­ven Spiel­berg brin­gen Ent­hül­lungs­jour­na­lis­ten im Jahr 1971 die Pen­ta­gon-Papiere, also Staats­ge­heim­nisse über den Viet­nam­krieg, an die Öffent­lich­keit. Eine ent­scheide Rolle kommt der Washing­ton-Post-Ver­le­ge­rin Kay Gra­ham zu. Geschich­ten­zeich­ne­rin Celina hat sich die­ses span­nende His­to­ri­en­drama nicht ent­ge­hen lassen.

Inwie­weit dür­fen Staats­ge­heim­nisse unter Ver­schluss blei­ben? Ist es Recht und Pflicht der Presse, diese an die Öffent­lich­keit zu tra­gen? Dies sind ent­schei­dende Fra­gen, mit denen sich der auf wah­ren Bege­ben­hei­ten beru­hende Film „Die Ver­le­ge­rin“ auseinandersetzt.

Durch die Ver­öf­fent­li­chung der Pen­ta­gon-Papiere, die ins­ge­samt etwa 7000 Sei­ten umfass­ten, konnte die Bevöl­ke­rung der USA unter ande­rem erfah­ren, dass der Viet­nam­krieg schon vor dem offi­zi­el­len Ein­grei­fen und im Rah­men der Bekämp­fung des Kom­mu­nis­mus geplant war. Ers­ter Her­aus­ge­ber eines Teils die­ser Doku­mente war die New York Times, die dar­auf­hin vor dem US-Gericht zur Ver­ant­wor­tung gezo­gen wurde. Doch die Welle der Empö­rung war groß, zumal es sich um einen Krieg han­delte, in dem viele Sol­da­ten gefal­len waren und der bis dato von der Regie­rung beschö­nigt wurde.

Auch die Washing­ton Post, ein bis dahin loka­les Blatt, das von Ver­le­ge­rin Katha­rine „Kay“ Gra­ham (Meryl Streep) und Chef­re­dak­teur Ben Brad­lee (Tom Hanks) gelei­tet wird, ist bemüht, an die Quelle her­an­zu­kom­men. Die Quelle sind Whist­leb­lower, dar­un­ter Daniel Ells­berg, die bereits an die New York Times Mate­rial wei­ter­reich­ten. Die Washing­ton Post, wel­che im Focus des Films steht, will mit von der Par­tie sein und hel­fen, die Pen­ta­gon-Papiere wei­ter zu ver­öf­fent­li­chen, jedoch wagt sie sich dafür in sehr unsi­che­res Terrain.

Wie wich­tig ist die Pressefreiheit?

„Die Pres­se­frei­heit ist die Frei­heit, Tat­sa­chen, Mei­nun­gen (Gedan­ken), Stel­lung­nah­men und Wer­tun­gen durch jede Art von Druckerzeug­nis­sen (z.B. Bücher, Zei­tun­gen, Flug­blät­ter) zu ver­brei­ten.“ Somit stellt die Pres­se­frei­heit im gewis­sen Sinne ein Instru­ment der Auf­klä­rung dar. Jedoch muss ebenso die Ver­ant­wor­tung für die jewei­li­gen Publi­ka­tio­nen bezie­hungs­weise für die Aus­übung der vier­ten Gewalt über­nom­men wer­den. Es ist eine Grad­wan­de­rung zwi­schen dem, was ver­öf­fent­licht wer­den darf und dem, was ver­öf­fent­lich wer­den muss. In die­sem Film wird gezeigt, wie bedeut­sam die Pres­se­frei­heit ist, da sie etwas ans Tages­licht bringt, das der Bevöl­ke­rung ver­heim­licht wurde und somit zur Auf­klä­rung beiträgt.

Wel­chen Stel­len­wert hat­ten die Rechte der Frauen in der Gesellschaft?

Gegen die män­ner­do­mi­nier­ten Berei­che im Zei­tungs­we­sen und an der Börse muss sich Prot­ago­nis­tin Katha­rine „Kay“ Gra­ham behaup­ten. Als ein­zige Frau sticht sie hier her­vor. Erst erscheint sie noch recht ver­un­si­chert, aber gewinnt im Laufe des Films mehr an Selbst­be­wusst­sein. Auch die dar­ge­stell­ten Tra­di­tio­nen und Sit­ten der Gesell­schaft spie­geln das dama­lige Frau­en­bild wider, indem sich bei­spiels­weise die Frauen nach dem gemein­schaft­li­chen Essen aus dem Raum ent­fer­nen, wenn die Män­ner anfan­gen über Poli­ti­sches zu reden. Die Szene, in der Frauen vor der Börse ste­hen und war­ten müs­sen, wäh­rend die Män­ner drin­nen sind, zeigt dies ebenso auf.

Katha­rine „Kay“ Gra­ham stellt zu die­ser Zeit eine Aus­nahme dar, weil sie nach dem Selbst­mord ihres Man­nes seine Rolle als Ver­le­ger der Washing­ton Post über­nimmt und auf­zeigt, wie wich­tig es ist, sich nicht unter­krie­gen zu lassen.

Aktua­li­tät

Der Ent­hül­lungs­jour­na­lis­mus ist ein ste­tig wie­der­keh­ren­der Aspekt in der Geschichte, der immer wie­der zu Ver­än­de­run­gen bei­getra­gen hat. Es wer­den Doku­mente der Geheim­hal­tung, Ver­trau­lich­keit, Zen­sur oder die ander­wei­tig keine Zugäng­lich­keit haben, her­aus­ge­ge­ben. Dies erin­nert auch stark an aktu­el­lere Ent­hül­lungs­platt­for­men wie Wiki­Leaks. Es geht immer um die Preis­gabe von Infor­ma­tio­nen und was diese schluss­end­lich bewir­ken; ebenso auch die Fol­gen für die­je­ni­gen, die jene Papiere ver­öf­fent­li­chen oder ent­wen­den. Diese The­ma­tik wird somit wei­ter­hin prä­sent sein und noch lange blei­ben. Daher ist es umso erstaun­li­cher, wenn man durch Filme wie „Die Ver­le­ge­rin“ die Mög­lich­keit hat, in die Ver­gan­gen­heit zu bli­cken und zu erken­nen, wie aktu­ell dies ist und wie ent­schei­dend es ab die­sem his­to­ri­schen Moment war, die poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen mehr zu hinterfragen.

Die Gleich­stel­lung der Geschlech­ter ist bis heute ein prä­gnan­tes und wich­ti­ges Thema, zumal man wei­ter­hin davon spricht, dass die Situa­tio­nen in der Gesell­schaft ungleich sind. Die Gleich­be­rech­ti­gung ist ein anhal­ten­der Pro­zess, wobei es heut­zu­tage nicht mehr so wie im Film zugeht, aber den­noch Ver­bes­se­rungs­be­darf besteht.

Das war klar: Nomi­nie­rung für den Oscar

„Die Ver­le­ge­rin“ ist für die Oscars 2018 als „Bes­ter Film“ und Meryl Streep als die „Beste Haupt­dar­stel­le­rin“ nomi­niert. Dies ist nicht ver­wun­der­lich, da der Film span­nend bleibt und man mit den Cha­rak­te­ren mit­fie­bert bis zum Schluss. Die Beset­zung mit Meryl Streep und Tom Hanks ist gran­dios gelun­gen, da beide ihrer Rol­len authen­tisch trans­por­tie­ren. Sie, die eine Cha­rak­ter­ent­wick­lung durch­läuft und er, der den selbst­be­wuss­ten Chef raus­hän­gen lässt und den­noch Sen­si­bi­li­tät besitzt.

Wei­ter­hin spie­geln das detail­lierte Büh­nen­bild und die Kos­tüme die dama­lige Zeit pas­send wider, sodass man ein recht rea­lis­ti­sches Bild von 1971 in den USA prä­sen­tiert bekommt. Somit wer­den ebenso die dama­li­gen tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten und die Sit­ten, wie etwa, dass Frauen nur Klei­der und Röcke tru­gen, ver­an­schau­licht. Span­nend bleibt abzu­war­ten, wie die Oscar-Ver­lei­hung am 4. März 2018 ausgeht.

Die Ver­le­ge­rin. Regie: Ste­ven Spiel­berg. Dreh­buch: Liz Han­nah, Josh Sin­ger. Dar­stel­ler: M. Streep, T. Hanks u.a. Uni­ver­sal. USA. 2018. 117 Min. FSK 6.

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