Moby Dick in Emden

by Zeichensetzerin Alexa

„Tod für Moby Dick! Moby Dick den Tod!“

Am Mitt­woch, 05.12.12, spielte das Thea­ter des Ostens Ber­lin ‚Moby Dick‘ von Her­man Mel­ville im Neuen Thea­ter Emden. Mit die­ser Auf­füh­rung nahm Vera Oel­schle­gel, Grün­de­rin und Regis­seu­rin des Ensem­bles, und das Thea­ter des Ostens Abschied von der Bühne. Die vor 20 Jah­ren gesetz­ten Maß­stäbe an Schau­spiel­kunst, das pro­fes­sio­nelle Hand­werk, wel­ches sich an alter Schu­lung Thea­ter­ar­beit ori­en­tiert, führ­ten zu gro­ßem Erfolg. Dem Thea­ter des Ostens wird eine Leis­tung auf Welt­stadt-Niveau nach­ge­sagt, nicht zuletzt wegen sprach­li­cher und dar­stel­le­ri­scher Qualität.

Das Thea­ter des Ostens hat von Beginn an die große Lite­ra­tur umge­setzt und für deren Bear­bei­tung einen Namen erwor­ben. Lite­ra­ri­sche Vor­ga­ben waren zum Bei­spiel: ‚Gefähr­li­che Lieb­schaf­ten‘ (Laclos), ‚Name der Rose‘ (Umberto Ecos) und ‚Der Schim­mel­rei­ter‘ (Theo­dor Storm). Zu Moby Dick sagt Vera Oel­schle­gel: „Der eigent­li­che Kern von Moby Dick ist die fixe Idee eines alten Man­nes, der Wahn­witz von Kapi­tän Ahab, der in der Jagd auf den wei­ßen Wal buch­stäb­lich aufs Ganze geht. Er ver­knüpft nicht nur sein eige­nes Leben, son­dern auch das­je­nige der gan­zen Crew damit. Für mich hat Mel­vil­les Roman die Qua­li­tät und Tiefe eines Gleich­nis­ses, mit dem auch mono­ma­ni­sche Figu­ren der Welt­ge­schichte wie Sta­lin beschreib­bar werden.“

Die Auf­füh­rung von Moby Dick in Emden hat das Publi­kum begeis­tert. Bis zum Schluss fes­selt das Stück die Zuschauer. Die Span­nung ist greif­bar, als die Crew Moby Dick sich­tet und ver­sucht ihn ein­zu­fan­gen. Es herrscht Stille und höchste Auf­merk­sam­keit, wenn Kapi­tän Ahab (Oli­ver Traut­wein) von sei­nem Leid erzählt. Die­ser will nichts ande­res als Rache an Moby Dick für sein abge­ris­se­nes Bein. Auch die Mann­schaft muss ihm schwö­ren und wie eine For­mel wie­der­ho­len: „Tod für Moby Dick! Moby Dick den Tod!“ Dabei ver­gisst der Kapi­tän die Bedürf­nisse der Män­ner und deren Wunsch wie­der nach Hause zurück­zu­keh­ren, bis ihn und seine Mann­schaft das Schick­sal ein­holt. Auch wenn Moby Dick für den Zuschauer nicht sicht­bar ist, so hat man doch das Gefühl, dass er auf eine gewisse Weise anwe­send ist.

Ver­an­stal­tet wurde die Auf­füh­rung vom Kul­tur­büro Emden.

Alexa

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