GlücksStadt

Glücksstadt

Mit „Glücks­Stadt“ ha­ben An­dre­as Stein­hö­fel und Sa­bi­ne Wil­harm ein klei­nes li­te­ra­ri­sches Kunst­werk ge­schaf­fen. Das Bil­der­buch er­schien 2013 im Ala­din Ver­lag.

Gleich das ers­te, das auf­fällt, sind die fan­ta­sie­vol­len, far­ben­fro­hen Il­lus­tra­tio­nen, die eine recht un­ge­wöhn­li­che Per­spek­ti­ve auf­zei­gen. Auf dem Co­ver ist ein gi­gan­ti­scher Mensch zu se­hen. Er läuft durch die Stadt wie ein Rie­se, auf dem Rü­cken und in der Ja­cken­ta­sche ein Dut­zend Schwei­ne tra­gend. Ei­ni­ge Schwein­chen flie­gen ge­ra­de vom Wind weg­ge­weht da­von. Auf ei­nem Blatt schwebt di­rekt vor dem Rie­sen ein klei­ner Mensch mit ei­nem Re­gen­schirm in den Hän­den. „Was für ein ver­rück­tes Bild!“, denkt man beim Be­trach­ten und der Ge­dan­ke zieht sich über das gan­ze Buch. Denn je­des Bild ist so fan­ta­sie­voll oder – um es mit den Wor­ten der Prot­ago­nis­tin zu sa­gen, wenn auch in ei­nem an­de­ren Zu­sam­men­hang: „das ist so über­aus ei­gen­ar­tig, nach­ge­ra­de son­der­bar und der­ar­tig denk­wür­dig, dass ich fast sa­gen möch­te: es ist höchst be­fremd­lich.“ Be­fremd­lich ja, aber doch auf eine so an­ge­neh­me Art und Wei­se, dass man sich ger­ne auf die Ge­schich­te ein­lässt und zu träu­men be­ginnt.

Wor­um es geht? Die Prot­ago­nis­tin bricht auf, um ihre Freun­de zu be­su­chen. Un­ter­wegs schreibt sie Post­kar­ten an Lena und er­zählt ihr, was sie ge­ra­de er­lebt. Zu je­der Il­lus­tra­ti­on ist so­mit ein kur­zer Text vor­han­den. Wäh­rend der Text nur das Wich­tigs­te aus­sagt, von den Ge­füh­len und Ge­dan­ken der Prot­ago­nis­tin er­zählt, ver­deut­li­chen die Il­lus­tra­tio­nen die er­leb­ten Si­tua­tio­nen. Es ist ein Zu­sam­men­spiel von Bild und Text, eine ge­gen­sei­ti­ge Er­gän­zung, so­dass man weiß: die­ser Text wäre ohne die Il­lus­tra­tio­nen nur halb so schön und an­ders­her­um ge­nau­so.
Eine mei­ner Lieb­lings­il­lus­tra­tio­nen ist die zwei­te im Buch. Auf der Post­kar­te an Lena – Lena wird üb­ri­gens im­mer wie­der an­ders ge­nannt, wie z.B.: Le-Na-Na, Len­ate – wer­den die Ge­dan­ken ver­deut­licht:

Ge­ra­de fiel mir ein, Lieblen­chen,

wie häu­fig ich mich schon als Kind ein­ge­sperrt fühl­te.
Der Hei­mat­ort war mir zu klein, das Haus zu eng,
Schne­cken­dorf, Schne­cken­haus.

Nur mein Kopf war groß ge­nug.
Im­mer­zu träum­te ich mich ir­gend­wo­hin.
Streck­te ir­gend­wann die Füh­ler aus, stieß an und zuck­te zu­rück,
träum­te wei­ter und fühl­te er­neut… such­te wei­ter… such­te wei­ter…
Und ohne es zu be­mer­ken, war ich am glück­lichs­ten im­mer dann,
wäh­rend ich such­te.

Nach­denk­lichst,
K.

Leseprobe Glücksstadt

Die­ses ver­rück­te, über­trie­be­ne Bild sieht man rechts vom Text und be­ginnt es in­ten­siv zu be­trach­ten, als su­che man nun selbst nach et­was. Tat­säch­lich macht man sich zu­sam­men mit der Prot­ago­nis­tin auf die Rei­se und er­lebt die span­nends­ten Aben­teu­er! Am Ende ver­ab­schie­det sich K. vom Le­ser mit der Über­zeu­gung: „Das Le­ben ist eine gro­ße Rei­se und die Zu­kunft blüht uns ro­sig!“ Na, wenn das nicht viel­ver­spre­chend ist!

Au­to­ren­por­trait

An­dre­as Stein­hö­fel wur­de 1962 in Bat­ten­berg ge­bo­ren, ar­bei­tet als Über­set­zer und Re­zen­sent und schreibt Dreh­bü­cher – vor al­lem aber ist er Au­tor zahl­rei­cher, viel­fach preis­ge­krön­ter Kinder- und Ju­gend­bü­cher. Sein Best­sel­ler „Die Mit­te der Welt” wur­de 1999 für den Deut­schen Ju­gend­li­te­ra­tur­preis no­mi­niert und ist mitt­ler­wei­le in vie­len Län­dern der Welt er­schie­nen. Nach Pe­ter Rühm­korf, Lo­ri­ot, Ro­bert Gern­hardt und Tomi Un­ge­rer hat An­dre­as Stein­hö­fel 2009 den Erich Käst­ner Preis für Li­te­ra­tur ver­lie­hen be­kom­men. Au­ßer­dem er­hielt er 2009 meh­re­re Prei­se für „Rico, Os­kar und die Tie­fer­schat­ten” u. a. den Deut­schen Ju­gend­li­te­ra­tur­preis, den Ka­tho­li­schen Kinder- und Ju­gend­buch­preis und die Aus­zeich­nung „Le­se­künst­ler 2009”, ver­lie­hen vom Sor­ti­men­ter­aus­schuss des Bör­sen­ver­eins Deut­scher Buch­han­del.

Il­lus­tra­to­ren­por­trait

Nach­dem Sa­bi­ne Wil­harm ihr Stu­di­um der Il­lus­tra­ti­on an der Fach­hoch­schu­le für Ge­stal­tung in Ham­burg be­en­det hat­te, be­gann sie 1976 als freie Il­lus­tra­to­rin für Zeit­schrif­ten und Buch­ver­la­ge zu ar­bei­ten. Mit ih­ren Il­lus­tra­tio­nen der deut­schen Har­ry Pot­ter Bü­cher hat sie das Bild des Zau­ber­lehr­lings in Deutsch­land maß­geb­lich ge­prägt.

Ale­xa

An­dre­as Stein­hö­fel, Sa­bi­ne Wil­harm (Il­lus­tra­to­rin)
Ala­din Ver­lag, Er­schei­nungs­jahr: 2013

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