James O’Barrs Comic „The Crow“ aus dem Jahr 1989 hat mitt­ler­weile Kult­sta­tus erreicht und gilt als eine der ein­fluss­reichs­ten Comics der Comic­ge­schichte. Geschich­ten­er­zäh­ler Adrian erzählt euch, warum die­ses Meis­ter­werk in jede gut­ge­führte Comic­samm­lung gehört.

Ein jun­ges Paar, des nachts mit dem Auto lie­gen geblieben,
auf der Suche nach Hilfe in die Arme bru­ta­ler Row­dies getrieben.
Sie haben ihren Spaß und las­sen das Paar leiden,
zum Schluss erschie­ßen sie die beiden.
Nur er über­lebt den Schuss in den Kopf,
liegt ein Jahr im Koma, am Krankhaustropf.
Als er dann erwacht, schwört er grau­same Rache,
an all jenen, die sei­ner gelieb­ten Frau den Tod her­bei brachten.
So jagt er die Mör­der und lässt sie büßen,
einer nach dem ande­ren liegt zu sei­nen Füßen.
Doch bringt ihm dies schluss­end­lich den erhoff­ten Frieden,
ein Zusam­men­sein mit sei­ner toten Geliebten?
So geht die Geschichte im Namen der Krähe,
eine wun­der­schön­düs­tere und doch trau­rige Märe.

Schwarz-weiße Roman­tik

Der Comic ist kom­plett in schwarz-weiß gehal­ten und ist mehr­heit­lich mit Tinte und teils mit Kreide gezeich­net. Einige Bil­der wir­ken zudem mit der Lin­ol­druck-Tech­nik gestal­tet. Das Schwarz ist sehr satt auf­ge­tra­gen und hebt sich so stark von dem kon­trä­ren Weiß ab. Nur in den Sequen­zen, in denen sich Eric zurück an die schöne Zeit mit sei­ner Ver­lob­ten Shelly erin­nert, sind die Zeich­nun­gen wei­cher und ähneln Blei­stift­zeich­nun­gen. Man merkt, je dra­ma­ti­scher und unan­ge­neh­mer die Szene ist, desto inten­si­ver ist das Schwarz.
Durch die star­ken Kon­traste spielt O’Barr auch immer wie­der mit Licht und Schat­ten. Dies lässt die Cha­rak­tere und Sze­ne­rien noch um eini­ges düs­te­rer wir­ken. Das Spiel mit den Schat­ten ist gut ver­gleich­bar mit dem von Hell­boy-Schöp­fer Mike Mignola, wel­cher eben­falls in sei­nen Comics – abge­se­hen vom Cover und den erschie­nen Kom­pen­dien – mehr­heit­lich auf Schwarz-weiß-Zeich­nun­gen setzt.

Trau­ma­ver­ar­bei­tung

James O’Barr begann die Arbeit an „The Crow“ im Jahr 1981 wäh­rend sei­ner Sta­tio­nie­rung in Ber­lin – als Sol­dat im US-Marine Corps. Die­sem war er bei­getre­ten, um den Unfall­tod sei­ner Freun­din durch einen betrun­ke­nen Auto­fah­rer zu ver­ar­bei­ten. O’Barr sah „The Crow“ als Ver­ar­bei­tung sei­ner Trauer und er spie­gelt in eini­gen Sze­nen zudem seine schwere Kind­heit wider. Diese wird durch das junge Mäd­chen Sher­rie reprä­sen­tiert und den Lebens­um­stän­den, in denen die­ser Cha­rak­ter auf­wächst. O’Barr meinte jedoch spä­ter, dass die gewünschte Trau­er­ver­ar­bei­tung nicht ein­traf und die Arbeit an „The Crow“ sei­nen Zustand sogar noch verschlechterte.

Die Ver­fil­mung

Durch den Kult­sta­tus des Comics sah man gute Chan­cen, dass eine Ver­fil­mung sich als ren­ta­bel erwei­sen könnte. So kam 1994 der Film „The Crow – die Krähe“ mit Bran­don Lee – dem Sohn von Kampf­kunst­le­gende Bruce Lee – in der Haupt­rolle des Eric Dra­ven in die Kinos. Trau­rige Bekannt­heit erlangte der Film durch seine Wid­mung an Bran­don Lee und seine Ver­lobte, wel­che nach dem Dreh hei­ra­ten woll­ten. Zu die­ser Hei­rat kam es jedoch nie, da Lee wäh­rend des Drehs durch eine noch mit schar­fer Muni­tion gela­dene Requi­si­ten­waffe erschos­sen wurde.

Der Film folgt der Rah­men­hand­lung des Comics, ver­än­derte jedoch eini­ges an den Dar­stel­lern und dem Plot. So ster­ben Eric und Shelly nicht durch die Böse­wichte auf der Land­straße, son­dern bei einer Woh­nungs­räu­mung, wobei Eric aus dem Fens­ter gesto­ßen wird. Zudem erwacht er anschlie­ßend nicht aus einem Koma, son­dern steht wort­wört­lich von den Toten wie­der auf. Auch wurde Eric ein Hin­ter­grund als ehe­ma­li­ges Mit­glied einer Rock-Band gege­ben und das Mäd­chen Sarah – im Comic Sher­rie – ist Erics und Shel­lys Paten­toch­ter. Die Gegen­spie­ler haben zwar die Namen wie im Comic, jedoch wurde Top Dol­lar und nicht T‑Bird als Haupt­ant­ago­nist gewählt und er ähnelt mehr einem sata­nis­ti­schen Gangs­ter­boss, als dem Anfüh­rer einer Stra­ßen­gang. Hinzu kommt, dass die Krähe – wel­che im Film mehr einem Raben ähnelt – eine etwas grö­ßere Rolle ein­nimmt als im Comic. Wäh­rend sie im Comic mehr eine Art Gewis­sen für Eric dar­stellt, so hat man sie im Film fleisch­lich gemacht.
1996, 2000 und 2005 gab es noch wei­tere Teile der Krähe, wel­che jedoch eher schlech­tere Kri­ti­ken erhiel­ten und ande­ren Hand­lun­gen folg­ten als dem Comic – obwohl sie sich an dem Grund­ton des ers­ten Teils ori­en­tier­ten. 1998 drehte man zudem eine 22-teil­ige Serie.

Fazit

„The Crow“ ist wirk­lich ein gran­dio­ses Werk und gehört nicht umsonst zu einem der bes­ten Werke der Comic­li­te­ra­tur. Nie war eine Geschichte über Liebe und Rache so emo­tio­nal erzählt und für die Leser mit­rei­ßend. Ich kann nicht genau sagen, ob und wie man eine deutsch­spra­chige Ver­sion in die Fin­ger bekom­men kann, wer jedoch der eng­li­schen Spra­che mäch­tig ist, der wird die Spe­cial Edi­tion in – eigent­lich – jedem Comic­buch­la­den fin­den. Die Zwi­schen­texte, wel­che von Song­tex­ten über Gedichte bis hin zu phi­lo­so­phi­schen Aus­sa­gen rei­chen, sind zwar etwas anspruchs­vol­le­res Eng­lisch, der Rest des Comics ist jedoch gut zu verstehen.

The Crow. Autor & Zeich­ner: James O’Barr. 1989. / The Crow (Film). Regie: Alex Proyas. Dreh­buch: David J. Schow & John Shir­ley. Dar­stel­ler: Bran­don Lee, Michael Win­cott, Ernie Hud­son. 1994.

Ein Fund aus der Todes­stadt.

Illus­tra­tio­nen: Geschich­ten­zeich­ne­rin Celina

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