Ein Klassiker unter den Schauergeschichten

by Bücherstadt Kurier

Susan Hills Roman „Die Frau in Schwarz“ erschien erst­mals 1983 und gilt als Klas­si­ker unter den Schau­er­ge­schich­ten. Er wurde unter ande­rem für das Fern­se­hen und das Thea­ter adap­tiert. Im Jahre 2012 wurde die Geschichte in dem gleich­na­mi­gen Hor­ror­film mit Daniel Rad­cliffe in der Haupt­rolle neu ver­filmt. – Von Bücher­horte­rin Claudia

Bewegt durch quä­lende Erin­ne­run­gen an ein ihn prä­gen­des Erleb­nis aus sei­ner Ver­gan­gen­heit und der eher spie­le­risch gemein­ten Bitte, eine Geis­ter­ge­schichte zu erzäh­len, beginnt Arthur Kipps an einem Hei­lig­abend, seine eigene furcht­bare Geschichte auf­zu­schrei­ben. Diese beginnt im Lon­don kurz vor dem Ers­ten Welt­krieg. Kipps strebt als jun­ger Anwalt einem Kar­rie­re­auf­stieg und der damit ver­bun­de­nen Ver­mäh­lung mit sei­ner Ver­lob­ten Stella ent­ge­gen. So nimmt er erwar­tungs­freu­dig einen beson­de­ren Auf­trag sei­nes Chefs Mr Bent­ley an. Die­ser führt ihn in die kleine Ort­schaft Crythin Gif­ford, wo er als Ver­tre­tung der Kanz­lei an der Beer­di­gung der kürz­lich ver­stor­be­nen Man­dan­tin Mrs Drab­low teil­neh­men und sich um ihren Nach­lass küm­mern soll. Der ehe­ma­lige Wohn­sitz der alten Frau, das Eel Marsh House, befin­det sich weit abge­schie­den drau­ßen in den Mar­schen und ist nur zur Ebbe erreichbar.

Unheim­li­che Begegnungen

Alle Ver­su­che, über den Grund sei­ner Arbeit zu spre­chen, sto­ßen in dem Ört­chen auf Ableh­nung und Schwei­gen. Dazu kom­men unheim­li­che Begeg­nun­gen mit einer Frau in Schwarz, die Kipps zu den­ken geben. So reist er vol­ler Erwar­tun­gen hin­aus zum ver­las­se­nen Wohn­sitz, dem sich sogar der Kut­scher nur unwil­lig nähert.

Mit der Erkennt­nis, die Arbeit nicht in den ihm ver­blei­ben­den weni­gen Stun­den erle­di­gen zu kön­nen, will Kipps auf eigene Faust zurück über den Damm gehen, ohne auf den Kut­scher zu war­ten, und hört im plötz­lich auf­zie­hen­den Nebel die Geräu­sche eines ver­un­glü­cken­den Pfer­de­wa­gens, ver­bun­den mit den Todes­schreien eines jun­gen Kin­des. Fast ver­läuft er sich im Nebel und schafft es gerade so noch, von Angst erfüllt und unter Schock ste­hend, zurück zum Haus.

Trotz die­ser furcht­ba­ren Erfah­rung beschließt er, erneut vol­ler Élan, im Eel Marsh House zu näch­ti­gen, um dort seine Arbeit zu been­den. Kipps kann zu die­sem Zeit­punkt nicht wis­sen, was ihn in den fol­gen­den zwei Näch­ten in dem alten Haus noch erwar­ten und wel­che Aus­wir­kun­gen dies auf sein wei­te­res Leben haben wird...

Der Wahr­heit auf der Spur

„Die Frau in Schwarz“ ist eine Geschichte, die ins länd­li­che Eng­land mit sei­nen end­los schei­nen­den Mar­schen und plötz­lich wir­ken­den Natur­ge­wal­ten ent­führt. Durch die Erzähl­weise aus der Sicht des durch­aus sym­pa­thisch wir­ken­den Arthur Kipps‘ erfah­ren die Leser immer nur so viel, wie der Erzäh­ler auch weiß und nimmt an sei­nen aus­gie­big geschil­der­ten Emp­fin­dun­gen umso stär­ker Anteil. Dem­entspre­chend groß ist auch das Geheim­nis um die Frau in Schwarz, die Ver­stor­bene Mrs Drab­low und das düs­tere Eel Marsh House. Rat­los tap­pen die Leser mit Kipps im Dun­keln und ver­su­chen, eine Ver­bin­dung zu all den unheim­li­chen Vor­komm­nis­sen her­zu­stel­len und der Wahr­heit auf die Schli­che zu kommen.

Dabei ent­fal­tet sich das Grauen nur lang­sam und schlei­chend – wer hier auf eine Hor­ror­ge­schichte mit viel Blut und sich über­schla­gen­den Ereig­nis­sen hofft, sollte lie­ber zu einer ande­ren Lek­türe grei­fen. Das Grauen ergibt sich hier viel mehr aus der völ­li­gen Abge­schie­den­heit von jeg­li­cher Zivi­li­sa­tion und dem Zwei­feln am eige­nen Ver­stand, denn kann es wirk­lich sein, dass Kipps einen Geist gese­hen hat? Für Freunde des lei­sen und psy­cho­lo­gi­schen Hor­rors sehr zu empfehlen.

Die Frau in Schwarz. Susan Hill. Knaur. 2012.

Weiterlesen

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Erfahre mehr