Daniel Illger

by Bücherstadt Kurier

Fan­tasy lebt davon, dass die Autoren auch in ihrer erschaf­fe­nen Welt leben. Das Ent­schei­dende ist für mich beim Schrei­ben immer, Zugang zu die­ser Welt zu haben. Wenn das gelingt, gelingt auch das Schreiben.

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Foto: Noëmi Vollenweider

SERAPH-Preis­trä­ger Daniel Ill­ger stellt sich eini­gen Fra­gen der Fuß­no­ta­rin Nata­lie und erzählt von mehr Gefühl in der Fan­tasy und sei­nem Buch „Skar­gat – Der Pfad des schwar­zen Lichts“.

BK: Wie sind Sie eigent­lich zur Fan­tasy gekom­men und was hat Sie zum Schrei­ben bewegt?

DI: Ich war schon als klei­nes Kind von Hor­ror und Fan­tasy fas­zi­niert. Zur Fan­tasy bin ich auch unter ande­rem durch Rol­len­spiele gekom­men. Erst mit 13–15 Jah­ren habe ich rich­tig ange­fan­gen, Bücher in die­ser Rich­tung zu lesen.
Mit dem Lesen habe ich natür­lich frü­her ange­fan­gen, aber eher Dos­to­jew­ski und ähn­li­ches gele­sen. Ich hatte immer die Vor­stel­lung, diese Art von Lite­ra­tur mit Fan­tasy zu ver­bin­den. Ich war sehr stark von Dos­to­jew­ski fas­zi­niert, da er allein durch Dia­loge die Figu­ren cha­rak­te­ri­sie­ren konnte. Genau das habe ich auch ver­sucht in Skar­gat zu brin­gen, wo ich mit drei ver­schie­de­nen Ich-Erzäh­lern arbeite, die ihre ein­zel­nen eige­nen Ver­sio­nen im jeweils eige­nen Sprach­stil wiedergeben.
Fan­tasy ist ein Genre, das am Anfang steht und als ganz neues Ter­rain erschlos­sen wer­den kann, allein dadurch, dass neue Ver­bin­dun­gen ein­ge­gan­gen und neue Sachen her­ein geholt wer­den, wie eben alte lite­ra­ri­sche Traditionen.

BK: „Skar­gat“ arbei­tet mit dem Mor­bi­den und auch eini­gen Hor­ror­ele­men­ten. Ganz vor­weg herrscht eine all­ge­meine Melan­cho­lie. Was fas­zi­niert Sie an dieser?

DI: Fan­tasy hat eine sehr große Kraft, Wel­ten rea­lis­tisch zu gestal­ten, dass es alle mög­li­chen sozia­len Kon­flikte geben kann, wie Aus­gren­zung, Ver­ur­tei­lung von Außen­sei­tern und so wei­ter. Es kommt auto­ma­tisch eine gewisse Trau­rig­keit bezie­hungs­weise Melan­cho­lie auf, wenn es Figu­ren gibt, die der­art lei­den in der Welt, in der sie leben. Ich hoffe, dass somit eine große emo­tio­nale Kraft trag­bar ist, so dass man mit den Figu­ren, die sich schon selbst auf­ge­ge­ben haben, erle­ben, wenn von irgendwo her eine neue Hoff­nung kommt. Wie Mykar, der lange Zeit ein­fach gedacht hat, er sei nur ein Stück Dreck.
Und die Melan­cho­lie gerade des­halb, weil Fan­tasy nicht nur Schlach­ten braucht, son­dern auch Gefühl. Mich inter­es­siert es, Figu­ren zu haben, die aus ganz unter­schied­li­chen Grün­den keine Hoff­nung mehr haben. Figu­ren, die ganz uner­war­tet Freund­schaft und Gemein­schaft erle­ben und dar­aus neue Hoff­nung schöp­fen. Dass sie in die tiefste Dun­kel­heit rein­ge­hen, um uner­war­tet Licht zu finden.

BK: Haben Sie bestimmte Schreib­pro­zesse und bestimmte Orte, an denen Sie schreiben?

DI: Ich kann eigent­lich fast über­all schrei­ben. Natür­lich tue ich das, ganz banal, zu Hause. Das wich­tigste für mich ist aber, dass man so oft wie mög­lich schreibt. Man sollte in Kon­takt mit sei­ner eige­nen Welt und deren Figu­ren sein. Fan­tasy lebt davon, dass die Autoren auch in ihrer erschaf­fe­nen Welt leben. Das Ent­schei­dende ist für mich beim Schrei­ben immer, Zugang zu die­ser Welt zu haben. Wenn das gelingt, gelingt auch das Schreiben.

BK: Sie stel­len fan­tas­ti­sche Wesen etwas anders dar und ent­de­cken diese auf eine andere Art neu. Gibt es, neben den Hexen und Vam­pi­ren, auch andere Wesen, die Sie in Ihrer Weise dar­stel­len möchten?

DI: Es gibt Lei­chen­fres­ser, die an Love­crafts Ghule ange­lehnt sind. Beim Lesen sei­ner Geschich­ten habe ich mich gefragt, wie die Ghule eigent­lich leben wür­den, wenn sie keine Ein­zel­gän­ger-Geschöpfe wären, son­dern wenn sie Fami­lien und ein sozia­les Umfeld hät­ten. Das habe ich ver­sucht zu beschreiben.
Außer­dem ver­su­che ich, eine Tra­di­tion auf­zu­grei­fen, die in vie­len Län­dern über Jahr­hun­derte hin­weg prä­sent war, „die wilde Jagd“. Diese besagt, dass in bestimm­ten Näch­ten, meist zwi­schen Weih­nach­ten und dem Drei­kö­nigs­tag in Rau­näch­ten, ein Zug von wil­den Toten unter der Füh­rer­schaft eines ver­fluch­ten Jägers über die Lande zieht und unvor­sich­tige Wan­de­rer mit sich zieht. Viel­leicht ent­deckt der ein oder andere Par­al­le­len zum Buch.

Foto: Noëmi Vollenweider

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