Adieu, Herr Muffin

Adieu, Herr Muffin

Herr Muf­fin ist ein al­tes Meer­schwein­chen, das in ei­nem um­ge­dreh­ten blau­en Kar­ton lebt. Es sieht aus wie ein Haus, mit Tür und Schorn­stein. Da­vor steht ein Brief­kas­ten, in dem mal eine Gur­ke liegt oder eine Man­del. Manch­mal so­gar ein Brief von dem Kind, dem das Haus­tier ge­hört. Seit Herr Muf­fin so alt und grau aus­sieht, schreibt das Kind sei­ne Ge­dan­ken und Ge­füh­le auf. „Herr Muf­fin, ich bin so trau­rig, weil Papa sagt, dass alte Meer­schwein­chen ster­ben kön­nen…“ Aber Herr Muf­fin kann lei­der nicht le­sen, und so zer­knab­bert er das Pa­pier und die Fet­zen flie­gen da­von. Aber auch er wird nach­denk­lich. Oft sitzt er in sei­nem Häus­chen und denkt über das Le­ben nach und er­in­nert sich an sei­ne Frau und Kin­der. Mitt­ler­wei­le sind alle groß und aus dem Haus. Sei­ne Frau ist an ei­nem Bie­nen­stich ge­stor­ben.

Ei­nes Ta­ges kann Herr Muf­fin nicht mehr auf­ste­hen, weil er Bauch­schmer­zen hat. Die Tier­ärz­tin kommt und un­ter­sucht ihn, schüt­telt be­dau­ernd den Kopf. Es wird deut­lich: Herr Muf­fin muss ster­ben. Er selbst scheint es zu spü­ren, denn er be­rei­tet sich lang­sam dar­auf vor. Er schwelgt in Er­in­ne­run­gen, schaut sich Bil­der an, summt ein Lied, das ihm sein Va­ter frü­her vor­ge­sun­gen hat… Und ob­wohl er ge­schwächt ist, holt er re­gel­mä­ßig sei­ne Post ab. „Papa sagt, es ist nicht schlimm zu ster­ben. […] Wir wer­den alle ster­ben – du und ich und Papa. […]“ Das Kind ver­sucht durch Brie­fe, die es sei­nem Haus­tier schreibt, Ab­schied zu neh­men und die Trau­er zu über­win­den. Auch nach­dem Herr Muf­fin ge­stor­ben ist, schreibt das Kind Brie­fe. „[…] Ich bin auch die gan­ze Nacht wach ge­we­sen und habe in mei­nem Bett ge­le­gen und an den Tod ge­dacht. […] Jetzt weißt du mehr, Herr Muf­fin. Jetzt weißt du, was pas­siert, wenn man stirbt.“

Durch die Brie­fe wird deut­lich, wel­che Ge­dan­ken das Kind be­schäf­ti­gen und wie es sich mit dem The­ma Tod aus­ein­an­der­setzt. Es hofft, dass Herr Muf­fin ein­fach ein­ge­schla­fen ist, dass er kei­ne Schmer­zen hat­te, als er ge­stor­ben ist. Dass im Buch ge­schrie­ben wird, Herr Muf­fins Ma­gen täte ihm fürch­ter­lich weh, wi­der­spricht den Ge­dan­ken des Kin­des, was die Fra­ge auf­wirft, ob das, was Er­wach­se­ne über den schmerz­lo­sen Tod sa­gen, ge­lo­gen ist. Au­ßer­dem fragt man sich am Ende: ha­ben sei­ne Bauch­schmer­zen mit dem Pa­pier, das er ge­ges­sen hat­te, zu tun? Auf­grund die­ser Wi­der­sprü­che ist es rat­sam, die­ses Buch mit dem Kind ge­mein­sam zu le­sen, um auf­kom­men­de Fra­gen zu be­ant­wor­ten und ihm even­tu­ell auf­kom­men­de Ängs­te zu neh­men.

Ale­xa

Wir för­dern Li­te­ra­tur: Die­ses Bil­der­buch ha­ben wir ei­ner KiTa ge­spen­det.

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