Torsten Low

Der Ver­lag ist für mich nicht nur eine Fir­ma. In ers­ter Li­nie ist es Fa­mi­lie – und un­se­re Au­to­ren sind Teil die­ser Fa­mi­lie.

Seit mitt­ler­wei­le 10 Jah­ren gibt es den Ver­lag Tors­ten Low. Hier er­schei­nen nicht nur Bü­cher im Be­reich Phan­tas­tik, son­dern auch Steam­punk und Hor­ror. Doch wer steckt ei­gent­li­ch hin­ter dem Na­men Tors­ten Low? Zwi­schen­zei­len­ver­ste­cker Mar­co hat nach­ge­fragt. Ein In­ter­view über die Zu­sam­men­ar­beit von Ver­lag und Au­tor und sehr viel Herz­blut.

BK: Den Ver­lag Tors­ten Low gibt es nun schon seit 10 Jah­ren. Für ei­nen Kleinst­ver­lag eine be­acht­li­che Leis­tung. Was ist der Grund für eu­ren Er­folg?

TL: Ein wich­ti­ger Punkt wird ganz si­cher sein, dass wir uns Zeit mit dem Wach­sen ge­las­sen ha­ben. An­de­re Ver­le­ger sind sehr eu­pho­ri­sch und mit ei­nem rie­si­gen Kre­dit ge­star­tet – und muss­ten dann fest­stel­len, dass das Geld alle war, be­vor sie sich als Mar­ke eta­bliert hat­ten. Wir wa­ren auch eu­pho­ri­sch, aber gin­gen nie das Ri­si­ko ein, ei­nen Kre­dit auf­zu­neh­men, um un­se­ren Ver­lag zu fi­nan­zie­ren. Bei uns muss­ten sich die Bü­cher aus sich selbst her­aus fi­nan­zie­ren.
An­de­re Ver­le­ger merk­ten auch erst im lau­fen­den All­tag, dass man nicht mal eben aus der Kal­ten par­al­lel 4 An­tho­lo­gie­aus­schrei­bun­gen gleich­zei­tig be­treut. Wir sind lang­sam rein­ge­wach­sen. Im ers­ten Jahr ein Buch, im zwei­ten kei­nes, im drit­ten ei­nes, im vier­ten zwei, im fünf­ten Jahr vier und im­mer wei­ter. Und wir ha­ben schnell ge­lernt, dass man nicht al­les al­lei­ne ma­chen kann.
Nicht ver­ges­sen darf man die Ver­an­stal­tung. Da ha­ben wir ein­fach Durch­hal­te­wil­len be­wie­sen. Ge­ra­de in den ers­ten Jah­ren wa­ren die Ver­an­stal­tun­gen jetzt nicht so er­trag­reich für uns. Aber mitt­ler­wei­le sind wir an­ge­kom­men, sind ein Teil der Phantastik-Szene und aus die­ser auch nicht mehr so ein­fach weg­zu­den­ken. Au­ßer­dem ha­ben wir vie­le da­durch be­geis­tert, dass wir ein­fach au­then­ti­sch sind. Mei­ne Frau, mei­ne klei­ne Toch­ter und ich – wir sind nicht ein­fach eine Ver­le­ger­fa­mi­lie. Wir le­ben das.

BK: Was hat dich da­mals dazu be­wo­gen ei­nen Ver­lag zu grün­den?

TL: Ach, das war ei­gent­li­ch ein Ver­se­hen. Ich habe seit mei­nem 5. Le­bens­jahr ge­schrie­ben. Hau­fen­wei­se Kurz­ge­schich­ten, hau­fen­wei­se Ro­ma­n­an­fän­ge. Als mir 2002 mein da­ma­li­ger, lang­jäh­ri­ger Ar­beit­ge­ber mit ei­nem Tritt in den A…llerwertesten zu ver­ste­hen ge­ge­ben hat, dass ich über­flüs­sig bin und mein nächs­ter Job ein 600-km-Pendeljob wur­de, schrieb ich mei­nen ers­ten Ro­man. Nach­dem ich dann den 1. Teil von „Dun­kel über Da­in­gis­tan“ fer­tig­ge­schrie­ben hat­te, hör­te ich mich um, re­de­te mit an­de­ren un­ver­öf­fent­lich­ten Au­to­ren und las ei­nen Pseu­do­rat­ge­ber für neue Au­to­ren.
Das al­les brach­te mich zu der An­nah­me, dass ich eh kei­ne Chan­ce hät­te. Ich schick­te also das Ma­nu­skript nicht an ei­nen Ver­lag. Und weil wir im Jah­re 2000 das Buch­bin­den in ei­nem Kurs ge­lernt ha­ben, woll­te ich 2 Ex­em­pla­re pro­du­zie­ren – ei­nes für mich, ei­nes für eine gute Freun­din. Bei mei­nen Re­cher­chen zum The­ma Ver­öf­fent­li­chen bin ich dann über die ISBN ge­stol­pert. Für un­ter 100 Euro be­kam man eine Num­mer, die man auf sein Druck­werk drauf­pap­pen durf­te und wo­mit man sich die Be­rech­ti­gung und Pflicht zur Ab­ga­be der Bi­blio­theks­ex­em­pla­re er­warb. Für un­ter 100 Euro zum deut­schen Kul­tur­er­be zu ge­hö­ren – das klang stark, das woll­te ich. Ge­sagt, ge­tan.
Dum­mer­wei­se oder zum Glück kam dann die er­s­te Be­stel­lung rein. Zu ei­nem in echt gar nicht exis­tie­ren­den Buch! Wir woll­ten na­tür­li­ch al­les rich­tig ma­chen, es uns mit Ge­wer­be­amt und Fi­nanz­amt nicht ver­scher­zen. Wir frag­ten nach, be­ka­men er­klärt, dass wir ein Ge­wer­be an­mel­den müss­ten und Schwupps, schon gab es den Ver­lag Tors­ten Low.

BK: Du be­treib­st den Ver­lag nicht haupt­be­ruf­li­ch. Wann fin­dest du die Zeit, dich dar­um zu küm­mern?

TL: Bei mir fängt der Ver­lag­s­tag abends um 20:30 an. Nach­dem ich mit mei­ner Toch­ter Ku­schel­zeit hat­te und die Klei­ne im Bett ist und nach­dem ich mit mei­ner Frau Abend­brot ge­ges­sen habe, set­ze ich mich an den PC. Ab­hän­gig da­von, was an­steht, ar­bei­te ich dann 1 oder 2, häu­fi­ger auch 3 und 4 Stun­den. Das je­doch kon­se­quent je­den Wo­chen­tag, au­ßer es kommt et­was wirk­li­ch, wirk­li­ch, wirk­li­ch Wich­ti­ges da­zwi­schen.

BK: Wie vie­le Autoren-Bewerbungen er­hal­tet ihr durch­schnitt­li­ch im Mo­nat oder Jahr?

TL: Das ist re­la­tiv we­nig ge­wor­den, nach­dem wir un­se­re Ma­nu­skript­an­nah­me ge­schlos­sen ha­ben. Es sind nur noch 30–40 im Jahr. Vor­her wa­ren es 150 im Jahr. Kri­ti­scher ist je­doch nicht die Mas­se der Be­wer­bun­gen, son­dern die Mas­se der Be­wer­bun­gen, die ein­fach nicht ver­nünf­tig vor­be­rei­tet und durch­dacht sind. Wir ha­ben nun ein­mal ei­nen Ver­lag, der sich mit Phan­tas­tik be­schäf­tigt. Aus­schließ­li­ch mit Phan­tas­tik. Mit nichts an­de­rem als Phan­tas­tik.
Wenn je­doch die Hälf­te der Ein­sen­dun­gen (und mehr) ein­fach al­les ist, nur nicht Phan­tas­tik, dann er­zeugt das für den Ver­lag ei­nen Mehr­auf­wand, der ein­fach nicht sein muss. Und für die Au­to­ren, die sich nicht ver­nünf­tig vor­be­rei­ten, er­zeugt die dar­aus re­sul­tie­ren­de Ab­leh­nungse­mail Frust, der ei­gent­li­ch nicht sein muss.

BK: Liest du alle ein­ge­hen­den Be­wer­bun­gen per­sön­li­ch?

TL: Jein. Bei un­se­ren Anthologie-Ausschreibungen ge­hen zwi­schen 100 und 500 Ein­sen­dun­gen ein – das ist eine im­men­se Men­ge Le­se­stoff. Da ver­las­se ich mich mitt­ler­wei­le auf mei­ne Her­aus­ge­ber. Sie le­sen al­les, stel­len eine Vor­aus­wahl von 20–30 Ge­schich­ten zu­sam­men und ge­ben Nach­rü­ck­er­ge­schich­ten mit, aus de­nen ich aus­wäh­len kann, wenn mir in der Vor­aus­wahl et­was ab­so­lut nicht zu­sagt. Das nimmt mir eine wirk­li­ch gro­ße Men­ge Ar­beit ab.
Bei den Ma­nu­skript­ein­sen­dun­gen ist es ein we­nig an­ders. Ich habe da drei Test­le­ser, die ein brei­tes Spek­trum an Le­sern ab­de­cken. Jun­ge und alte Le­ser, Viel­le­ser und We­nig­le­ser, un­ter­schied­li­che Bil­dungs­stän­de. Die­se Test­le­ser ge­ben mir un­ab­hän­gig eine Grob­ein­schät­zung. Wenn drei­mal Dau­men rauf – dann lege ich es auf mei­nen Sta­pel oben­drauf. Wenn alle Dau­men run­ter – dann geht die Ab­leh­nung auch mal raus, ohne dass ich auch nur ei­nen Satz lese. Und wenn die Mei­nung ge­spal­ten ist, dann lese ich es auch – wenn ich dazu kom­me. Was bei un­se­rer Aus­las­tung auch schon mal ein Jahr dau­ern kann.

Das mit dem Jahr klingt jetzt viel­leicht hef­tig – aber wenn man den Hin­ter­grund be­trach­tet, ist es auch wie­der ver­ständ­li­ch. Wir ma­chen 6–10 Bü­cher im Jahr. Die Hälf­te da­von sind An­tho­lo­gi­en. Blei­ben also nur 3–5 Pro­gramm­plät­ze üb­rig, in de­nen man mit ei­nem Ro­man lan­den kann.
Wir ha­ben mitt­ler­wei­le Stamm­au­to­ren. Für Mara Laue ist je­des Jahr ein Ro­mans­lot ein­ge­plant. Vin­cent Voss hat auch alle 1–2 Jah­re ei­nen Ro­man bei uns. Bei dem Arkland-Zyklus wol­len wir alle 18 Mo­na­te nach­le­gen. Dazu kom­men Au­to­ren mit Op­tio­nen wie bei­spiels­wei­se Mark Staats mit sei­nem Afaga-Zyklus oder Fa­bi­en­ne Sieg­mund. Die schon mal was bei uns un­ter­be­kom­men ha­ben und bei de­nen ich auf Nach­schub war­te, auch wenn noch nicht si­cher ist, wann die­ser kom­men wird. Und es gibt mei­ne Kurz­ge­schich­ten­au­to­ren oder Au­to­ren aus dem Fan­dom, die di­rekt auf uns zu­kom­men – und die dann na­tür­li­ch den Bo­nus ha­ben, dass ich schon mit ih­nen zu­sam­men­ge­ar­bei­tet habe und weiß, wie sie bei­spiels­wei­se auf Lek­to­rats­än­de­run­gen ein­ge­hen oder wie sie bei­spiels­wei­se mit Ter­mi­nen um­ge­hen.
Al­les in al­lem bleibt am Ende im Jahr mal nur 1 Ro­man­platz und mal gar kei­ner üb­rig. An­ge­sichts des­sen ha­ben wir auch un­se­re of­fi­zi­el­le Ma­nu­skript­an­nah­me ge­schlos­sen und de­cken un­se­ren Be­darf der­zeit über an­de­re Ka­nä­le.

BK: Was ist, dei­ner Mei­nung nach, das Wich­tigs­te an ei­ner Autoren-Bewerbung?

TL: Das Wich­tigs­te ist, dass man es ge­nauso ern­st nimmt wie eine Be­wer­bung für ei­nen ganz nor­ma­len Job. Denn nichts an­de­res ist es – eine Be­wer­bung für ei­nen Job. Wenn das An­schrei­ben vor Feh­lern ha­gelt und ein di­cker Kaf­fee­ring auf dem Ex­po­sé prangt, dann ist das ge­nauso kon­tra­pro­duk­tiv, wie wenn je­mand das Ma­nu­skript di­rekt nach dem ers­ten run­ter­tip­pen los­schickt, ohne es zu über­ar­bei­ten und eine Recht­schreib­kor­rek­tur zu ma­chen.
Dann wäre es na­tür­li­ch von Vor­teil, wenn man ein an­spre­chen­des Ex­po­sé und eine kna­cki­ge Le­se­pro­be vor­be­rei­tet hat. Und wenn man nicht gleich rein­schreibt, dass das Buch un­be­dingt mit 47 far­bi­gen Il­lus­tra­tio­nen ver­se­hen wer­den müss­te, die man ger­ne von der Toch­ter der Schwipp­schwä­ge­rin an­fer­ti­gen las­sen möch­te. Ge­nauso wie man nicht un­be­dingt ver­lau­ten las­sen soll­te, dass man eh kein Lek­to­rat braucht, weil man ja ein groß­ar­ti­ger Künst­ler ist und je­der Schreib­feh­ler Be­stand­teil des Ge­samt­kunst­wer­kes sei. Im Prin­zip ist es ganz ein­fach – es muss der Ge­samt­ein­druck pas­sen. Wie bei ei­ner Be­wer­bung für ei­nen ganz nor­ma­len Job.

BK: Gab es in­ner­halb der 10 ver­gan­ge­nen Jah­re auch ab­so­lu­te Grenz­fäl­le, was Be­wer­bun­gen, Ma­nu­skrip­te und Au­to­ren an­geht?

TL: Na­tür­li­ch – es gab im­mer mal wie­der Fäl­le, wo ich erst­mal ge­schaut habe, ob ir­gend­wer eine Ka­me­ra in mei­nem Büro ver­steckt hat. Da war bei­spiels­wei­se der Fall ei­ner Au­to­rin, die mir ein Pa­ket mit ei­nem nur noch an­ti­qua­ri­sch er­hält­li­chen his­to­ri­schen Ro­man schick­te. Sie war mit dem Ende die­ses Ro­mans nicht zu­frie­den und hat kur­zer­hand eine Fort­set­zung ge­schrie­ben, die sie mir an­bot. Die­se Au­to­rin mein­te, da­mit ich ih­ren Ro­man ver­ste­he, müs­se ich den an­ti­qua­ri­schen Ro­man vor­ab le­sen, denn ih­rer baut kom­plett dar­auf auf. Mal ganz da­von ab­ge­se­hen, dass wir kei­ne his­to­ri­schen Ro­ma­ne ver­öf­fent­li­chen…
Mal ganz da­von ab­ge­se­hen, dass wir kein Buch ver­öf­fent­li­chen, bei den wir auf den Ti­tel schrei­ben müss­ten: „Bit­te kau­fen Sie sich vor­her den an­ti­qua­ri­schen Ro­man So­wie­so, denn ohne die­sen Ro­man wer­den Sie mit un­se­ren Buch kei­ne Freu­de ha­ben!“ Aber die Au­to­rin des Ori­gi­na­les hat die Rech­te an den Fi­gu­ren ih­res Ro­mans – und die­se Fi­gu­ren dür­fen nicht ein­fach in ei­nem nicht au­to­ri­sier­ten Nach­fol­ger ver­wen­det wer­den.

Dann er­hielt ich im Fe­bru­ar 2012 ein Ma­nu­skript­an­ge­bot, wo ich gleich im An­schrei­ben hin­ge­wie­sen wur­de, dass der Ro­man ge­fäl­ligst in­ner­halb des nächs­ten Jah­res zu er­schei­nen habe – schließ­li­ch geht es um die Maya-Prophezeiung. Ich habe ihm dann pro­phe­zeit, dass es bei die­sem Zeit­plan in un­se­rem Ver­lag nicht klap­pen wird. Und jetzt im Rück­bli­ck be­trach­tet hat­te ich mit mei­ner Pro­phe­zei­ung recht.
Rich­tig „nett“ ist es, wenn ein Au­tor nach ei­ner sach­li­chen Ab­leh­nung an­fängt, die Ver­la­ge und Lek­to­ren im All­ge­mei­nen und mich im Be­son­de­ren zu be­schimp­fen, weil wir al­le­samt Ver­bre­cher, Be­ton­köp­fe, Idio­ten, Kul­tur­ver­hin­de­rer, Kul­tur­fa­schis­ten, ka­pi­ta­lis­ti­sches Kropp­zeug, Ge­sin­del ohne An­spruch, hirn­lo­ses Ge­sock­se oder ähn­li­ches wä­ren. Das ist auch der Haupt­grund, war­um ich mitt­ler­wei­le eine Ab­sa­ge nicht mehr be­grün­de. Je we­ni­ger An­griffs­flä­che es gibt, desto we­ni­ger muss ich mit sol­chen Ver­bal­at­ta­cken le­ben.
Es gibt Kol­le­gen, die sa­gen: „Ver­le­gen könn­te so schön sein – wenn nur die Au­to­ren nicht wä­ren.“ An man­chen Ta­gen stim­me ich ih­nen zu. Zum Glück sind die meis­ten Tage aber an­ders.

BK: Wie wich­tig ist dir der per­sön­li­che Kon­takt zu eu­ren Au­to­ren?

TL: Der ist mir wirk­li­ch im­mens wich­tig. Auch wenn es man­che Leu­te, die mich aus­schließ­li­ch übers In­ter­net ken­nen und mich als „Mr. Gra­vi­ty“ (der Typ, der Jung­au­to­ren auf den har­ten Bo­den der Tat­sa­chen zu­rück­holt) ken­nen, es sich viel­leicht nicht vor­stel­len kön­nen.
Aber es ist mir wahn­sin­nig wich­tig, ei­nen gu­ten Kon­takt zu mei­nen Au­to­ren zu hal­ten. Ich lie­be es, wenn wir nach ei­ner Con­ven­ti­on mal mit 2 oder 3 Au­to­ren oder manch­mal so­gar mit 1–2 Dut­zend Au­to­ren in ein Re­stau­rant ein­fal­len und ei­nen „Ver­lags­ti­sch“ auf­ma­chen. Ich lie­be es, wenn an die­sem Tisch Men­schen mit­ein­an­der re­den, die sich vor­her nie ge­se­hen ha­ben und die nur ei­nes eint: dass sie mit ei­ner Ge­schich­te in mei­nem Ver­lag ver­öf­fent­licht wur­den. Ich lie­be die Her­aus­ge­ber­tref­fen mit mei­nen Füh­rungs­kräf­ten, mei­nen Her­aus­ge­bern. Und es ist mir ein be­son­de­res Be­dürf­nis, an die­sen Tref­fen für mei­ne Au­to­ren da zu sein, mit ih­nen über un­se­re ge­mein­sa­me Zu­kunft zu spre­chen und für sie zu ko­chen. Ich lie­be es, wenn Au­to­ren auf ei­ner Mes­se oder ei­ner Con an un­se­ren Stand kom­men, uns um­ar­men, hin­ter un­se­ren Tisch kom­men und ei­nen Plau­sch be­gin­nen. Ich freue mich, wenn es abends ge­gen 21 Uhr klin­gelt und ein Au­tor te­le­fo­niert dann eine oder auch mal 2 Stun­den mit uns – und in die­ser Zeit kommt dann auch al­les aufs Ta­blett, was den Au­tor ge­ra­de be­wegt, sei es Be­den­ken we­gen ei­nes an­ste­hen­den neu­en Pro­jekts oder auch we­gen pri­va­ter Pro­ble­me.
Mei­ne Au­to­ren wis­sen, dass ich im­mer (naja, zu­min­dest meis­tens) ein of­fe­nes Ohr für sie habe. Sie wis­sen auch, dass ich im­mer ein Gläs­chen Sher­ry oder Port für sie habe. Und ge­ra­de mei­ne Her­aus­ge­ber wis­sen auch, dass sie sich aus­pro­bie­ren kön­nen. Dass sie auch Din­ge ver­su­chen kön­nen, die sie sich wo­an­ders nicht trau­en wür­den. Aber bei mir ver­su­chen sie es, weil sie wis­sen, dass ich hin­ter ih­nen ste­he und ih­nen im Fal­le des Fal­les un­ter die Arme grei­fe. Ge­nauso wie un­se­re Au­to­ren wis­sen, dass sie bei uns ihre ers­ten Le­sungs­er­fah­run­gen sam­meln kön­nen – un­ter­stützt und be­glei­tet von Au­to­ren und Vor­le­sern, für die Le­sun­gen mitt­ler­wei­le kei­ne Sel­ten­heit sind.
Mei­ne Frau und ich – wir sind kei­ne Über­chefs. Wir sind ein­fach nur zwei Men­schen, die die Chan­ce ha­ben, mit an­de­ren groß­ar­ti­gen Men­schen eine schö­ne Zeit zu ver­brin­gen und da­bei auch noch was tol­les Krea­ti­ves auf die Bei­ne zu stel­len. Der Ver­lag ist für mich nicht nur eine Fir­ma. In ers­ter Li­nie ist es Fa­mi­lie – und un­se­re Au­to­ren sind Teil die­ser Fa­mi­lie.

BK: Euer Ver­lag ist be­kannt da­für, auf un­zäh­li­gen Ver­an­stal­tun­gen un­ter­wegs zu sein. Ist das nicht un­heim­li­ch kräf­te­zeh­rend?

TL: Über­haupt nicht. Das zählt ei­gent­li­ch ge­n­au mit zu der Fra­ge mit dem Ver­hält­nis zu un­se­ren Au­to­ren. Es ist ein­fach un­wahr­schein­li­ch mo­ti­vie­rend und en­er­giebrin­gend, auf sol­che Ver­an­stal­tun­gen zu ge­hen. Bis zum Ende der Ver­an­stal­tung über tol­le Bü­cher zu re­den und eben­die­se dann auch zu ver­kau­fen und nach der Ver­an­stal­tung dann mit groß­ar­ti­gen Men­schen über neue Pro­jek­te und eine wun­der­ba­re Zu­kunft zu spre­chen. Das ist es, was die­se Ver­an­stal­tun­gen so ein­zig­ar­tig macht.
Wir sind im Jahr auf gut 30 bis 35 Ver­an­stal­tun­gen. Un­se­re Sai­son star­tet am letz­ten Fe­bru­ar­wo­chen­en­de und geht bis zum letz­ten No­vem­ber­wo­chen­en­de. Für De­zem­ber und Ja­nu­ar habe ich mir von mei­ner Frau Ver­an­stal­tungs­frei­heit aus­be­dun­gen. In der Vor­weih­nachts­zeit fehlt es uns auch nicht. Ab Mit­te Ja­nu­ar schar­ren wir drei schon mit den Hu­fen. Mei­ne Toch­ter (5) lö­chert mich dann täg­li­ch, wann wir end­li­ch wie­der auf Buch­mes­se fah­ren und wann wir un­se­re Au­to­ren wie­der­tref­fen. Und wenn wir am letz­ten Fe­bru­ar­wo­chen­en­de das Auto be­stei­gen, ist es fast so, als wä­ren wir aus ei­nem Dorn­rös­chen­schlaf er­wacht. Wir brau­chen die Ver­an­stal­tun­gen. Sie ge­hö­ren ein­fach zu un­se­rem Le­ben dazu.

BK: Phan­tas­tik ist ein weit­ge­steck­ter Be­griff und ihr deckt eine gan­ze Men­ge ver­schie­de­ner Gen­res ab. Ist ab­zu­se­hen, wo­hin der nächs­te Trend the­ma­ti­sch ten­die­ren wird?

TL: Ei­nen Trend zu er­ken­nen, be­vor er über­haupt zum Trend wird, ist wahn­sin­nig schwer. Auf sol­che Spe­ku­la­tio­nen lass ich mich auch nicht ein. Es hat sei­ne Vor­tei­le, wenn man ei­nen Klein­ver­lag hat – ein Pro­jekt hat sich schnel­ler amor­ti­siert und man muss nicht auf Ge­deih und Ver­der­ben bei je­dem Trend mit­ma­chen. Ich ma­che die Bü­cher, die ich auch sel­ber ger­ne le­sen möch­te – und sche­re mich da­bei nicht um ak­tu­el­le Trends. Bis­her habe ich mit die­ser Ein­stel­lung als Ver­lag ganz gut über­lebt.

BK: Im Ver­lag Tors­ten Low sind be­reits über 15 An­tho­lo­gi­en er­schie­nen. Ist das so eine Art zwei­tes Stand­bein?

TL: Man könn­te es fast sa­gen. Auch wenn sich das mit den An­tho­lo­gi­en an­ders ent­wi­ckelt hat, wie ur­sprüng­li­ch ge­dacht: Als ich 2008 die er­s­te An­tho­lo­gie auf den Markt brach­te, habe ich tat­säch­li­ch an­ge­nom­men, dass ich die Erst­auf­la­ge al­lei­ne we­gen der Men­ge der Au­to­ren los­be­kä­me. Weit ge­fehlt.
Ich lern­te schnell, dass nur we­ni­ge Au­to­ren die An­tho­lo­gi­en, in de­nen sie ver­tre­ten sind, auch ak­tiv ver­mark­ten. Also wuss­te ich: Woll­te ich mit den An­tho­lo­gi­en nicht un­ter­ge­hen, mus­s­te ICH ak­tiv wer­den in der Ver­mark­tung. Und Ver­mark­tung heißt: Le­sun­gen. Ich ge­hö­re zu den sel­te­nen Ver­la­gen, die tat­säch­li­ch auf Mes­sen und Ver­an­stal­tun­gen aus An­tho­lo­gi­en le­sen las­sen. Und ich ge­hö­re zu den sel­te­nen Ver­le­gern, die die Le­sun­gen durch­aus auch selbst hal­ten. Und ge­n­au das funk­tio­nier­te dann auch. Wenn vie­le Klein­ver­la­ge stolz sind, so­bald ihre An­tho­lo­gie sich 100 mal ver­kauft hat, ist es für uns mitt­ler­wei­le nor­mal, dass alle An­t­hos in die Nach­auf­la­ge ge­hen. Ja, un­se­re An­tho­lo­gi­en ma­chen mitt­ler­wei­le eine recht di­cke Säu­le un­se­res Un­ter­neh­mens aus.

BK: Seit 6 Jah­ren in Fol­ge wur­det ihr für den Deut­schen Phan­tas­tik Preis no­mi­niert und eure Bei­trä­ge konn­ten sich im­mer plat­zie­ren. Gibt es da­für ein Ge­heim­re­zept?

TL: Klei­ne Kor­rek­tur: mitt­ler­wei­le seit 7 Jah­ren in Fol­ge. Wäh­rend un­se­rer Le­se­rei­se durch Deutsch­lands Nor­den ha­ben wir er­fah­ren, dass wir 2 Dop­pel­no­mi­nie­run­gen er­hal­ten ha­ben. Zum ei­nen für die „Dampf­ma­schi­nen und rau­chen­de Colts“ und die „Dunk­len Stun­den“ – bei­de in der Ka­te­go­rie „Be­s­te An­tho­lo­gie“ und zum an­de­ren für „Sea“ und „Der letz­te Gast“ – bei­de in der Ka­te­go­rie „Be­s­te Kurz­ge­schich­te“. Wir sind wahn­sin­nig ge­spannt, wie die­ses Jahr für uns aus­geht.
Das Ge­heim­re­zept ist ganz ein­fach: Ma­che das, was du am bes­ten kann­st. Hole dir, wo im­mer du Hil­fe brauchst, die bes­ten Leu­te, die du be­kom­men kann­st, um das Pro­jekt durch­zu­zie­hen. Sei mit gan­zem Her­zen da­bei. Bren­ne für die­ses Pro­jekt. Lass die Men­schen, mit de­nen du zu­sam­men­ar­bei­test, spü­ren, dass sie mit dir an ei­nem Her­zens­pro­jekt ar­bei­ten – und sie wer­den auch ihr Herz an die­ses Pro­jekt ver­lie­ren.
Mit den rich­ti­gen Her­aus­ge­bern, den rich­ti­gen Co­ver­zeich­nern, den rich­ti­gen Il­lus­tra­to­ren, den rich­ti­gen Au­to­ren und den rich­ti­gen Lek­to­ren kann nur ein Buch her­aus­kom­men, wel­ches die Le­ser be­geis­tert. Und un­se­re Le­ser wis­sen, dass sie bei uns un­ge­wöhn­li­che An­tho­lo­gi­en mit den be­son­de­ren Ex­tras be­kom­men. Ob es Download-Codes für Songs sind oder Il­lus­tra­tio­nen zu je­der Ge­schich­te, ob es Co­mics sind oder ei­nen ro­ten Fa­den, der die ein­zel­nen Kurz­ge­schich­ten zu ei­nem Epi­so­den­ro­man ver­bin­det, ob es un­be­kann­te De­bü­t­au­to­ren oder be­kann­te Best­sel­ler­au­to­ren sind: Un­se­re An­tho­lo­gi­en sind et­was Be­son­de­res.

BK: Zum Schluss zwei Bü­cher­stadt Kurier-Spezialfragen:
Wenn du ein Buch wärst, wel­ches wärst du?

TL: Auch wenn ich kein son­der­li­ch gläu­bi­ger Men­sch bin – die Bi­bel. Kein Buch hat die Mensch­heit als Gan­zes je­mals mehr be­rührt, kein Buch hat Men­schen mehr ver­än­dert, kein Buch hat je­mals mehr Men­schen er­reicht.

BK: Wel­che Fra­ge hast du dir schon im­mer mal in ei­nem In­ter­view ge­wünscht und was wäre dei­ne Ant­wort auf die­se Fra­ge?

TL: Ob ei­gent­li­ch je­mals mei­ne Klap­pe still­steht und ob ich auch was an­de­res könn­te als im­mer neue An­ek­do­ten aus dem Ver­lag zu prä­sen­tie­ren, nie­der­zu­schrei­ben oder zu er­zäh­len. Mei­ne Ant­wort dar­auf wäre üb­ri­gens ein ganz kla­res und ent­schie­de­nes NEIN!

Ich dan­ke für das In­ter­view und die schö­nen Fra­gen.

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Literatur für alle!

3 Kommentare zu Torsten Low

  1. Ich möch­te mich an die­ser Stel­le noch ein­mal bei Tors­ten Low, für die net­te und hoch­in­ter­es­san­te Kor­re­spon­denz, be­dan­ken. Die­ses In­ter­view hat wirk­li­ch Spaß ge­macht.

    Für all die­je­ni­gen, de­nen es eben­falls so viel Le­se­freu­de be­rei­tet hat: Es kommt Nach­schub! Tors­ten Low und der Bü­cher­stadt Ku­rier ha­ben sich noch et­was Sü­ßes (nichts Sau­res) für Euch ein­fal­len las­sen. Mehr dazu dem­nächst. Wo? Na­tür­li­ch im Bü­cher­stadt Ku­rier.

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