Silvia Griessmair

Ich lese am liebs­ten in­mit­ten von Bü­chern, denn ihr Flüs­tern kann eine At­mo­sphä­re er­zeu­gen, die wie ein Tor zu an­de­ren Wel­ten ist. Ei­nen ähn­li­chen Ef­fekt hat für mich der Wald, wo die Stim­men der Bäu­me eben­falls zum Träu­men ein­la­den.

07 SilviaBü­cher­städ­ti­scher Be­ruf:

Verse­flüs­te­rin

Wo in Bü­cher­stadt wohnst du?

Ich be­woh­ne ein klei­nes Häus­chen am Ran­de der Stadt nahe der Na­tur, die mir oft als In­spi­ra­ti­on und Zu­fluchts­ort dient. Doch manch­mal ver­le­ge ich mei­nen Ar­beits­platz in ei­nes der mit Bü­chern voll­ge­stopf­ten Turm­zim­mer, von dem aus man ei­nen fan­tas­ti­schen Aus­blick auf ganz Bü­cher­stadt hat.

Was machst du für den Bü­cher­stadt Ku­rier?

Ich schrei­be haupt­säch­lich fürs Krea­tiv­la­bor, darf mich also den gan­zen lie­ben Tag lang nach Her­zens­lust aus­to­ben. Die­ses Ge­fühl von Frei­heit, von Gren­zen­lo­sig­keit, von Aben­teu­er ist ge­nau das Rich­ti­ge für mich.

Was ist dei­ne Mo­ti­va­ti­on, an die­sem Pro­jekt zu ar­bei­ten?

Ich kann nicht tref­fend in Wor­te fas­sen, wie wich­tig mir das Schrei­ben ist. Der Bü­cher­stadt Ku­rier bie­tet mir die Mög­lich­keit, die­ser Lei­den­schaft in ei­ner Grup­pe nach­zu­ge­hen – ge­mein­sam Ide­en und Tex­te zu er­stel­len und sich dar­über aus­zu­tau­schen. Ich fin­de es sehr in­ter­es­sant zu be­ob­ach­ten, wie an­ders jede/r ein­zel­ne von uns schreibt und wel­chen Zu­gang zum Schrei­ben er oder sie hat.

Was er­hoffst du dir da­bei?

Ich er­hof­fe mir In­spi­ra­ti­on – und fin­de sie auch. Es macht ei­nen gro­ßen Un­ter­schied, ob man im Team ar­bei­tet oder al­lei­ne. Na­tür­lich hat bei­des je­weils Vor- und Nach­tei­le. Doch ich kann auf­rich­tig sa­gen, dass der Bü­cher­stadt Ku­rier mir neue Wege er­öff­net hat.

Und was machst du, wenn du nicht für den Bü­cher­stadt Ku­rier ar­bei­test?

Ich stu­die­re Ger­ma­nis­tik an der Uni Inns­bruck, schaue hin und wie­der aber auch ger­ne in Kur­se an­de­rer Stu­di­en­rich­tun­gen hin­ein. An­sons­ten be­steht mein Le­ben tat­säch­lich zu ei­nem Groß­teil aus Schrei­ben; ich habe stets meh­re­re Pro­jek­te par­al­lel in Ar­beit, seit Kur­zem auch ei­nen ei­ge­nen Blog.

Was war als Kind dein Traum­be­ruf?

Seit ich den­ken kann, will ich Schrift­stel­le­rin sein.

Was war dein ers­tes selbst­ge­kauf­tes Buch?

Ich habe mitt­ler­wei­le eine klei­ne Bücher-Sammlung an­ge­häuft und lei­der to­tal den Über­blick ver­lo­ren, wel­che Ti­tel zum äl­te­ren Be­stand ge­hö­ren und wel­che zum jün­ge­ren. Ich glau­be, mich je­doch zu er­in­nern, dass „Die Aben­teu­er des star­ken Wan­ja“ von Ot­fried Preuß­ler das ers­te Buch war, das ich mir ger­ne ge­kauft hät­te. Da­mals, in der Volks­schu­le, habe ich es ge­fühl­te hun­dert­mal aus der Bi­blio­thek aus­ge­lie­hen; tat­säch­lich ge­kauft habe ich es dann erst vor ein, zwei Jah­ren.

Wo liest du am liebs­ten?

Ich lese am liebs­ten in­mit­ten von Bü­chern, denn ihr Flüs­tern kann eine At­mo­sphä­re er­zeu­gen, die wie ein Tor zu an­de­ren Wel­ten ist. Ei­nen ähn­li­chen Ef­fekt hat für mich der Wald, wo die Stim­men der Bäu­me eben­falls zum Träu­men ein­la­den.

Wel­ches Gen­re be­vor­zugst du?

Es gibt Gen­res, die ich nie lese, wie zum Bei­spiel Hor­ror. An­sons­ten ent­schei­de ich frei aus dem Au­gen­blick her­aus, nach Lust und Lau­ne.

Gibt es ein Buch, das dir be­son­ders am Her­zen liegt?

Es gibt so un­end­lich vie­le Bü­cher, die mich in­spi­riert ha­ben und noch im­mer in­spi­rie­ren – dar­aus ei­nes aus­zu­wäh­len will ich nicht ver­ant­wor­ten.

Was liebst du au­ßer­dem?

Das Ge­räusch von Re­gen­trop­fen, die un­end­li­che Wei­te des Mee­res, fal­len­de Schnee­flo­cken, an­ste­cken­des La­chen, den Ge­ruch von frisch ge­mäh­tem Gras, … – eine un­end­lich lan­ge Lis­te.

Was machst du in dei­ner Frei­zeit?

Wenn ich nicht ge­ra­de schrei­be oder lese, gehe ich oft spa­zie­ren oder be­schäf­ti­ge mich mit Mu­sik – bei­des dient mir als Aus­gleich und als In­spi­ra­ti­on.

Wel­che drei Bü­cher wür­dest du mit auf eine ein­sa­me In­sel neh­men? Und war­um die­se?

Ver­mut­lich wür­de ich nie auf der In­sel an­kom­men, da ich zu lan­ge über­le­gen wür­de. Eine schwie­ri­ge Ent­schei­dung. Spon­tan wäh­le ich fol­gen­de Ti­tel:
• „Kinder- und Haus­mär­chen“ der Ge­brü­der Grimm – was wäre das Le­ben und die Welt ohne Mär­chen?
• „Die Hüt­te“ von Wil­liam Paul Young – ei­nes der we­ni­gen Bü­cher, die es je­mals ge­schafft ha­ben, mich rich­tig zum Wei­nen zu brin­gen.
• „Die Lei­den des jun­gen Wert­her“ von Jo­hann Wolf­gang von Goe­the – ganz ein­fach weil ich Wert­her lie­be.

Hast du ein Lieb­lings­wort?

Ja, das ita­lie­ni­sche Wort „com­muo­ve­re“. Über­set­zen wür­de man es mit „(be)rühren“, „er­grei­fen“, was mei­ner Mei­nung nach je­doch nicht ein­mal an­satz­wei­se an die tat­säch­li­che Be­deu­tung die­ses Wor­tes her­an­kommt.

Wie lau­tet dein Lieb­lings­zi­tat?

Es gibt so vie­le un­glaub­lich aus­sa­ge­kräf­ti­ge und tref­fen­de Zi­ta­te – die Kunst ist, so vie­le wie mög­lich zu ken­nen, so­dass man für jede Si­tua­ti­on das rich­ti­ge pa­rat hat.
Auf je­den Fall un­ter mei­nen Top 5 ist si­cher­lich das fol­gen­de von Mark Twain: „Der Un­ter­schied zwi­schen dem rich­ti­gen Wort und dem bei­na­he rich­ti­gen ist der­sel­be wie zwi­schen ei­nem Blitz und ei­nem Glüh­würm­chen.“

Hast du ei­nen Lieb­lings­film?

Nein, aber ich habe eine lan­ge Lis­te mit Fil­men, die mich zu ir­gend­ei­nem Zeit­punkt in­spi­riert ha­ben und es teil­wei­se auch jetzt noch tun – für je­den von ih­nen bin ich dank­bar.

Wenn du ein Buch wärst, wel­ches wärst du?

Am al­ler­liebs­ten wäre ich ein Mär­chen­buch, ei­nes, das Ge­schich­ten aus den ver­schie­dens­ten Kul­tu­ren ent­hält, mit vie­len bun­ten Bil­dern.

Wel­che Fra­ge hast du dir in ei­nem In­ter­view schon im­mer mal ge­wünscht und wie wür­de dei­ne Ant­wort dar­auf lau­ten?

Mei­ne ge­hei­me Wunsch­fra­ge in ei­nem In­ter­view wäre ei­gent­lich ganz sim­pel: „Wann hast du dein ers­tes Buch ver­öf­fent­licht?“ Die ge­naue Ant­wort dar­auf ist be­deu­tungs­los. Doch mit die­ser Fra­ge wüss­te ich, dass ich es tat­säch­lich ge­schafft hät­te, mir mei­nen gro­ßen Traum vom Bü­cher­schrei­ben (und auch Pu­bli­zie­ren!) zu er­fül­len.