Erika Unterpertinger

Ich wäre wohl ein Buch, das au­ßen ei­nen un­schein­ba­ren Ein­druck macht, in ei­nem gro­ßen Re­gal viel­leicht so­gar ir­gend­wo in den hin­te­ren Rei­hen en­det, aber gan­ze Wel­ten ent­fal­tet, so­bald man es öff­net.

04 ErikaBü­cher­stä­di­scher Be­ruf:

Wort­klau­be­rin

Wo in Bü­cher­stadt wohn­st du?

Ich woh­ne über der Wort­klau­be­rei, wo ich den Tag da­mit zu­brin­ge, Wör­ter zu fin­den und zu er­fin­den – di­rekt hin­ter dem Bü­cher­Ver­sum. Stu­die­ren­de fin­den bei mir die rich­ti­gen Worte für ihre Ar­bei­ten, Bü­cher­städ­ter kra­men nach Ono­ma­to­päi­ka und Oxy­mo­ra zum Son­der­preis. Man trifft mich aber auch im krea­ti­ven La­bor im Turm der Chef­re­dak­ti­on an. Dort habe ich wäh­rend der Dead­line meist eine Schlaf­couch aus­ge­zo­gen.

Was machst du für den Bü­cher­stadt Ku­rier?

Ich bin Zu­stän­di­ge für das Res­sort „Krea­tiv­la­bor“, or­ga­ni­sie­re die Ver­tei­lung der Tex­te für die Aus­ga­ben in mei­nem Res­sort und krü­me­le hin und wie­der ein paar li­ter­ar­tur­wis­sen­schaft­li­che Ge­dan­ken in ei­nen Text für die Web­sei­te.

Was ist dei­ne Mo­ti­va­ti­on, an die­sem Pro­jekt zu ar­bei­ten?

Ei­ner­seits liegt mir viel vom Bü­cher­stadt Ku­rier am Her­zen, weil ich von An­fang an – seit 2012 – da­bei bin. Ich lie­be die Ar­beit in un­se­rem klei­nen, ste­tig wach­sen­den Team mit sei­ner fas­zi­nie­ren­den Krea­ti­vi­tät, die uns manch­mal aus al­len Po­ren spru­delt. Die Her­aus­for­de­rung, sich im­mer Neu­es fürs Krea­tiv­la­bor ein­fal­len zu las­sen, macht min­des­tens so viel Reiz aus.
Auf der an­de­ren Sei­te bin ich Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin. Es liegt in mei­nem In­ter­es­se, die ver­schie­de­nen As­pek­te, die man aus ver­schie­de­nen Räu­men, Zei­ten und Li­te­ra­tu­ren her­aus­ar­bei­ten kann, auch Nicht-Wissenschaftlerinnen und –Wis­sen­schaft­lern zu­gäng­li­ch zu ma­chen. Der Bü­cher­stadt Ku­rier ist dar­in ge­wis­ser­ma­ßen eine ‚Aus­re­de‘, durch­ge­hend nach Neu­em zu su­chen.
Es kommt noch ein drit­tes Mo­ment für mich hin­zu: Die Ma­gie, die Worte aus­üben. Ich habe mich nie von ih­nen fern­hal­ten kön­nen, und fin­de in der Bü­cher­stadt eine end­lo­se Spiel­wie­se.

Was er­hoffst du dir da­bei?

Ich hof­fe in mei­ner Ar­beit, die Freu­de an den vie­len klei­nen Din­gen der Li­te­ra­tur wei­ter­ge­ben zu kön­nen – und bei an­de­ren die Neu­gier­de dar­auf zu we­cken.

Und was machst du, wenn du nicht für den Bü­cher­stadt Ku­rier ar­bei­test?

Ich habe ei­nen Bachelor-Abschluss in Ver­glei­chen­der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft und Ge­schich­te, und bin mo­men­tan in den Mas­ter­stu­di­en­gang für Ver­glei­chen­de Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft in Wien in­skri­biert. Ne­ben­bei ver­su­che ich mich im Schrei­ben und be­schäf­ti­ge mich semi-beruflich mit wis­sen­schaft­li­chem Schrei­ben.

Was war als Kind dein Traum­be­ruf?

Ich woll­te Leh­re­rin wer­den. Jetzt möch­te ich Do­zen­tin wer­den. So viel hat sich dar­an also nicht ver­än­dert. 

Was war dein ers­tes selbst­ge­kauf­tes Buch?

Ich kann mich nicht mehr wirk­li­ch dar­an er­in­nern. Die Aus­wahl schwankt zwi­schen den ge­sam­mel­ten Mär­chen von Hans Chris­ti­an An­der­sen und ei­nem Band von Tho­mas Bre­zi­nas Rei­he „Ein Fall für das Tiger-Team“.

Wo liest du am liebs­ten?

Ich lese über­all ger­ne, habe aber ein paar Lieb­lings­plät­ze. Ich mag die Ter­ras­se dort, wo ich auf­ge­wach­sen bin, und mei­nen Lese-Sessel.

Wel­ches Gen­re be­vor­zugst du?

In letz­ter Zeit habe ich mich mit den „Klas­si­kern“ der Welt­li­te­ra­tur aus­ein­an­der­ge­setzt, weil ich eine Mei­nung dazu bil­den möch­te. Im Grun­de ge­nom­men bin ich nicht wäh­le­ri­sch, so­lan­ge der Schreib­stil mir mun­det.

Gibt es ein Buch, das dir be­son­ders am Her­zen liegt?

Ein Buch über Druck­gra­fi­ken, das ich von mei­nem ehe­ma­li­gen Kunst­leh­rer be­kom­men habe.

Was liebst du au­ßer­dem?

Kaf­fee und mei­ne Kaf­fee­tas­se, gute Ge­sprä­che, Li­te­ra­tur und Mu­sik und Kunst, die ei­nem das Herz auf­ge­hen las­sen.

Was machst du in dei­ner Frei­zeit?

Ich schrei­be Ge­schich­ten – al­les zwi­schen ei­ge­nen Wer­ken und Fan­fic­tions -, male eher sel­ten, ver­sor­ge mein Um­feld mit Back­wa­ren und spie­le Vio­li­ne.

Wel­che drei Bü­cher wür­dest du mit auf eine ein­sa­me In­sel neh­men? Und war­um die­se?

Die Aus­wahl ist be­ein­flusst vom Kri­te­ri­um, dass ich sie wie­der und wie­der und wie­der le­sen kann. „Das Kar­ten­ge­heim­nis“ von Jostein Gaar­der lese ich wie­der und wie­der und wie­der. „La Com­me­dia“ von Dan­te Ali­ghie­ri be­schäf­tigt mich seit Jah­ren in all ih­ren Fein­hei­ten. Schließ­li­ch eine Mär­chen­samm­lung von Mär­chen aus al­ler Welt – mög­lichst kom­plett -, denn die­se wür­den mich zu­min­dest eine Zeit lang be­schäf­tigt hal­ten, ab­ge­se­hen von der Tat­sa­che, dass ich ei­nen Nar­ren an den Mär­chen und My­then der Welt ge­fres­sen habe.

Hast du ein Lieb­lings­wort?

Kein Wort, aber ei­nen Satz. „Im­mer her da­mit!“

Wie lau­tet dein Lieb­lings­zi­tat?

Ich habe zu vie­le mit Blei­stift un­ter­stri­che­ne Sät­ze in Bü­chern, die ich gut fin­de. Ein Aus­spruch, der mir dar­über hin­aus viel be­deu­tet ist fol­gen­der von Ar­thur Scho­pen­hau­er: „Das Schick­sal mischt die Kar­ten und wir spie­len.“

Hast du ei­nen Lieb­lings­film?

Disney-Filme und die Pro­duk­tio­nen von Ida Lu­pi­no ran­gie­ren hoch in mei­nem Kurs, aber hier eine Ent­schei­dung zu tref­fen ist schlicht­weg grau­sam. Ich fin­de im­mer wie­der Lieb­lin­ge in al­len Pe­ri­oden der Film­pro­duk­ti­on.

Wenn du ein Buch wärst, wel­ches wärst du?

Ich wäre wohl ein Buch, das au­ßen ei­nen un­schein­ba­ren Ein­druck macht, in ei­nem gro­ßen Re­gal viel­leicht so­gar ir­gend­wo in den hin­te­ren Rei­hen en­det, aber gan­ze Wel­ten ent­fal­tet, so­bald man es öff­net.

Wel­che Fra­ge hast du dir in ei­nem In­ter­view schon im­mer mal ge­wünscht und wie wür­de dei­ne Ant­wort dar­auf aus­se­hen?

Ge­n­au die zu­letzt ge­stell­te Fra­ge. Mei­ne Ant­wort dar­auf ist be­kannt. 🙂