An­nette Bö­gel­sack

Wäre ich ein Buch, dann ein ähn­lich ver­wir­ren­des, sprung­haf­tes, per­sön­li­ches, tief­grün­di­ges, ge­fühl­vol­les, aus­drucks­star­kes Werk wie Frank Witzel’s „Die Er­fin­dung der Ro­ten Ar­mee Frak­ti­on durch ei­nen manisch-depressiven Teen­ager im Som­mer 1969“.

AnnetteBü­cher­stä­di­scher Be­ruf:

Er­zähl­de­tek­ti­vin

Wo in Bü­cher­stadt wohnst du?

Auf je­den Fall dort, wo mei­ne be­pelz­te Mit­be­woh­ne­rin Yuki nicht in ih­rer Frei­heit ein­ge­schränkt wer­den muss. Ab­ge­se­hen da­von soll­te eine In­ter­net­ver­bin­dung vor­han­den sein.

Was machst du für den Bü­cher­stadt Ku­rier?

Als frisch­ge­ba­cke­ne Res­sort­lei­te­rin fürs Film­thea­ter wer­de ich vor al­lem das tun, was ich oh­ne­hin stän­dig ma­che: Fil­me und Se­ri­en se­hen und über die­se schrei­ben. Au­ßer­dem ver­su­che ich so viel wie mög­lich zu le­sen und – wer hät­te es er­war­tet – über die un­ter­schied­lichs­ten Wer­ke zu schrei­ben. Wenn dann noch Zeit bleibt, ver­su­che ich mich als Lek­to­rin für „Stadt­ge­spräch“.

Was ist dei­ne Mo­ti­va­ti­on, an die­sem Pro­jekt zu ar­bei­ten?

Im Grun­de lie­be ich al­les: Die Team­ar­beit, bei der die un­ter­schied­lichs­ten Ide­en zu­sam­men­kom­men, das ge­mein­sa­me En­ga­ge­ment für ein ge­lun­ge­nes End­ergeb­nis und ge­ne­rell der Aus­tausch mit an­de­ren Literatur- und Film­be­geis­ter­ten. Be­son­ders dank­bar bin ich je­doch für die Mög­lich­keit, mich hier krea­tiv aus­to­ben und kon­struk­ti­ves Feed­back er­hal­ten zu kön­nen.

Was er­hoffst du dir da­bei?

Hier gilt ei­gent­lich die Ant­wort der letz­ten Fra­ge. Ich er­hof­fe mir re­gen Aus­tausch, das ge­mein­sa­me er­rei­chen von Zie­len und die Mög­lich­keit, Er­fah­run­gen in ganz un­ter­schied­li­chen Be­rei­chen sam­meln zu kön­nen. Und ja, es macht sich auch nicht schlecht im Le­bens­lauf. 😉

Und was machst du, wenn du nicht für den Bü­cher­stadt Ku­rier ar­bei­test?

Der­zeit bin ich da­bei, mein Philosophie- und Ge­schichts­stu­di­um ab­zu­schlie­ßen. Was da­nach kommt, weiß ich noch nicht, aber ich bin si­cher, dass mich das Schrei­ben in der ein oder an­de­ren Form stets be­glei­ten wird. In mei­ner Frei­zeit – in­so­fern man beim Bü­cher­stadt Ku­rier über­haupt von et­was Ge­gen­tei­li­gem spre­chen kann – bin ich viel im Kino oder auf Kon­zer­ten, sehe Fil­me und Se­ri­en, lese, schrei­be, spie­le (am liebs­ten stra­te­gi­sche Ge­sell­schafts­spie­le à la „Sied­ler von Ca­tan“) und hän­ge mit mei­ner Kat­ze ab. Er­wähn­te ich schon, dass ich Kat­zen­lieb­ha­be­rin bin?

Was war als Kind dein Traum­be­ruf?

Puh! Im Grun­de hat­te ich nie groß­ar­tig Lust, Teil der Ar­beits­welt zu wer­den. Ich woll­te im­mer lie­ber ler­nen, mich mit neu­en Din­gen be­schäf­ti­gen und neue Fä­hig­kei­ten er­lan­gen. Al­ler­dings habe ich schon als Kind Zeit­schrif­ten für mei­ne Fa­mi­lie er­stellt, Nach­rich­ten­sen­dun­gen auf­ge­nom­men oder Ge­schich­ten er­zählt, von de­nen mir mei­ne zahl­rei­chen Ver­wand­ten heu­te noch vor­schwär­men. An­geb­lich sei ich ein sehr nied­li­ches Kind ge­we­sen.

Was war dein ers­tes selbst­ge­kauf­tes Buch?

Ich habe mir lan­ge kei­ne ei­ge­nen Bü­cher ge­kauft, da wir schon im­mer eine prall ge­füll­te Bi­blio­thek zu Hau­se hat­ten. Was mir fehl­te, habe ich mir dann zum Ge­burts­tag oder Weih­nach­ten ge­wünscht. Eine mei­ner ers­ten ei­ge­nen An­schaf­fun­gen dürf­te die Ärzte-Biografie „Ein über­di­men­sio­na­les Meer­schwein frisst die Erde auf“ ge­we­sen sein.

Wo liest du am liebs­ten?

Im Bett, wo­bei das nicht im­mer schlaf­för­dernd ist, je nach­dem, was ich ge­ra­de lese (Stich­wort: Ste­phen King). Als Al­ter­na­ti­ve zum sinn­lo­sen „Auf-dem-Smartphone-rumtippen“ kann ich Le­sen in Bus und Bahn, War­te­zim­mern etc. nur emp­feh­len.

Wel­ches Gen­re be­vor­zugst du?

Grund­sätz­lich lese ich al­les, was mich in­ter­es­siert: Phi­lo­so­phi­sche Wer­ke, Klas­si­ker, Fan­ta­sy, An­spruchs­vol­les, Kin­der­bü­cher. Wo­für ich mich schon in jün­ge­ren Jah­ren nicht so be­geis­tern konn­te wa­ren Ju­gend­ro­ma­ne – da habe ich dann doch lie­ber gleich zur „er­wach­se­nen“ Li­te­ra­tur ge­grif­fen. Ich bin auch kein all­zu gro­ßer Comic-Fan.

Gibt es ein Buch, das dir be­son­ders am Her­zen liegt?

Mei­ne schöns­ten Le­se­er­leb­nis­se wa­ren Ste­phen Kings „Es“ und Ser­gej Lu­kia­nen­kos „Wächter“-Romane. An­sons­ten wür­de ich vor al­lem die tol­len Bü­cher nen­nen, die es frü­her als „Gute-Nacht-Geschichte“ und „Sonntags-Bed-In“ gab: „Fünf Freun­de“, „Wir Kin­der aus Bul­ler­bü“, „Ro­bin­so Cru­soe“, „Pip­pi Lang­strumpf“ und vie­le, vie­le Disney-Geschichten.

Was liebst du au­ßer­dem?

Gu­tes Es­sen (heißt: al­les mit Nu­deln, To­ma­ten oder Käse), Cola Zero (eine Sucht muss man sich ja gön­nen), Tie­re (be­vor­zugt Kat­zen und Hun­de, aber alle Tie­re ha­ben ein Recht auf ein schmerz­frei­es Le­ben!), Mu­sik und Kon­zer­te.

Was machst du in dei­ner Frei­zeit?

Ich bin ganz ger­ne un­ge­stört auf mei­ner Couch mit viel Zeit für Fil­me und Se­ri­en. Kon­zer­te sind toll, dann aber bit­te in der ers­ten Rei­he und mit vol­lem Fangirl-Modus. Das Ci­ne­ma­xx in Bre­men wür­de ich als mein zwei­tes Wohn­zim­mer be­zeich­nen. Ich schrei­be ger­ne Ge­schich­ten oder bas­te­le Spie­le und Ge­schen­ke. Au­ßer­dem bin ich pas­sio­nier­te Zitate-Sammlerin. Selbst­ver­ständ­lich lese ich auch sehr ger­ne.

Wel­che drei Bü­cher wür­dest du mit auf eine ein­sa­me In­sel neh­men? Und war­um die­se?

Wenn ich jetzt so­was schrei­be wie „ei­nen Re­ader mit un­end­lich vie­len Bü­chern“ gilt das nicht, oder? Ganz ehr­lich: Ich wür­de drei Bü­cher mit­neh­men, die ich noch nicht ken­ne, da­mit ich we­nigs­tens noch was Neu­es zu ent­de­cken habe, be­vor ich auf der In­sel ein­ge­he. Gibt es dort Mu­sik?

Hast du ein Lieb­lings­wort?

Nicht wirk­lich. An die­ser Stel­le möch­te ich mich je­doch ein­mal für die deut­sche Spra­che stark ma­chen! Ich mag un­se­re har­ten Lau­te und die kan­ti­ge Aus­spra­che sehr ger­ne.

Wie lau­tet dein Lieb­lings­zi­tat?

Viel­leicht et­was pes­si­mis­tisch, aber ich mag es: „Das Al­ler­bes­te ist für dich gänz­lich un­er­reich­bar: nicht ge­bo­ren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweit­bes­te aber ist für dich – bald zu ster­ben“ (Fried­rich Nietz­sche). An­sons­ten viel­leicht: „Well, per­so­nal­ly I kin­da want to slay the dra­gon. Let’s go to work!” (An­gel in der fi­na­le Epi­so­de von “An­gel”)

Hast du ei­nen Lieb­lings­film?

Ich habe schon viel zu vie­le groß­ar­ti­ge Fil­me ge­se­hen, als dass ich mich auf ei­nen Fa­vo­ri­ten fest­le­gen könn­te. Und es gibt noch so viel mehr Wun­der­ba­res zu ent­de­cken! Im­mer wie­der se­hen kann ich je­doch „The Dark Knigth“ (2008), „Ci­ti­zen Cane“ (1942), „Night­ma­re be­fo­re Christ­mas“ (1993), „Hal­lo­ween“ 1, 2 und 7 und „Les Mi­sé­ra­bles“ (2012).

Wenn du ein Buch wärst, wel­ches wärst du?

Viel­leicht bin ich zu sehr be­ein­flusst, weil ich es ge­ra­de lese, aber ich wür­de sa­gen: Wäre ich ein Buch, dann ein ähn­lich ver­wir­ren­des, sprung­haf­tes, per­sön­li­ches, tief­grün­di­ges, ge­fühl­vol­les, aus­drucks­star­kes Werk wie Frank Witzel’s „Die Er­fin­dung der Ro­ten Ar­mee Frak­ti­on durch ei­nen manisch-depressiven Teen­ager im Som­mer 1969“.

Wel­che Fra­ge hast du dir in ei­nem In­ter­view schon im­mer mal ge­wünscht und wie wür­de dei­ne Ant­wort dar­auf lau­ten?

Hast du eine Lieb­lings­fi­gur aus der Po­pu­lär­kul­tur, die du ger­ne nä­her ken­nen ler­nen wür­dest? Ja, da gibt es gleich meh­re­re. Mo­men­tan bin ich sehr be­geis­tert von der schwe­di­schen Band Ghost und wür­de ger­ne Sän­ger Papa Eme­ri­tus und sei­ne Na­meless Ghouls nä­her ken­nen­ler­nen. Au­ßer­dem wür­de ich ger­ne mal et­was Zeit mit An­ton Go­ro­dez­ky aus Lu­kia­nen­kos Wächter-Reihe ver­brin­gen – wir hät­ten uns be­stimmt viel zu er­zäh­len.