Geister schreiben

Der GhostwriterWel­cher Schrei­ber­ling kennt das nicht: Kaum hat man Zeit und Ruhe zum Schrei­ben ge­fun­den, be­fällt ei­nen die Schreib­blo­cka­de. Auch dem Prot­ago­nis­ten in Ce­ci­lia Aherns No­vel­le „Der Ghost­wri­ter“ er­geht es so. Da kommt der ti­tel­ge­ben­de Ghost­wri­ter nur zur rech­ten Zeit.

Her­man Banks ist ein Mul­ti­mil­lio­när, aber glück­lich macht ihn die­se Tat­sa­che nicht. Sei­ne Frau hat ihn mit ei­nem an­de­ren Mann be­tro­gen, der Job nervt und auch mit sei­nem Ro­man geht es nicht wei­ter. Auf­ge­ben will Her­man je­doch nicht. In der Hoff­nung, dass sich sei­ne Be­zie­hung zum Bes­se­ren än­dern wird und Her­man sei­nen Ro­man schrei­ben kann, zieht er mit sei­ner Frau in ein ab­ge­le­ge­nes An­we­sen in Süd­eng­land. Dass hier einst ein Au­tor ge­lebt hat, der es zu was ge­bracht hat, er­höht al­ler­dings den Druck. Und auch die Strei­te­rei­en mit sei­ner Frau schei­nen kein Ende zu fin­den.
Ta­ge­lang sitzt Her­man nur in sei­nem Schreib­zim­mer oder schaut aus dem Fens­ter, ohne auch nur ei­nen Satz zu schrei­ben. Er hat Ide­en, doch um­set­zen kann er sie nicht. Die Schreib­blo­cka­de macht Her­man zu schaf­fen; er lässt sich ge­hen, duscht nicht, ra­siert sich nicht, schläft schlecht und glaubt, sei­ne Frau wür­de ihn er­neut be­trü­gen. Bis er schließ­lich das ers­te Ka­pi­tel sei­nes Ro­mans in sei­nem Schreib­zim­mer vor­fin­det. Sein ers­ter Ge­dan­ke gilt sei­ner Frau, von der er glaubt, sie spie­le ihm ei­nen Streich. Denn ge­schrie­ben hat er die­se Sei­ten nicht. Erst spä­ter fällt ihm auf, dass für je­des Ka­pi­tel, das auf­taucht, Ge­gen­stän­de aus dem Haus ver­schwin­den – wie im Tausch. Doch wie viel ist Her­man be­reit ein­zu­tau­schen, um sei­nen Ro­man fer­tig zu schrei­ben?

„Der Ghost­wri­ter“ scheint hier im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ein „Ghost­wri­ter“ zu sein. Die­ser über­na­tür­li­che As­pekt ver­leiht der Ge­schich­te eine ge­wis­se Span­nung, die bis zum Ende an­hält. Chris­ti­an Ber­kel liest die No­vel­le pas­send zur Stim­mung, sehr an­ge­nehm, so­dass man sich so­fort in der Ge­schich­te wie­der­fin­den kann. Eine Um­set­zung, die das Buch ein Stück weit über­trumpft.

Ale­xa
5 Laternen

Der Ghost­wri­ter, Ce­ce­lia Ahern, Chris­ti­ne Strüh (Über­set­ze­rin)
Chris­ti­an Ber­kel (Spre­cher), Ar­gon Ver­lag, 2014

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