Alter Brauch im Rhythmus der Natur

Um die Rau­h­näch­te ran­ken sich vie­le Sa­gen und Brauch­tü­mer – man sagt, dass die zwölf Tage den zwölf Mo­na­ten im kom­men­den Jahr ent­spre­chen und dass man aus ih­nen deu­ten kann, was ge­sche­hen wird. Pas­send dazu wünscht der Bü­cher­stadt Ku­rier mit ei­ner Er­klä­rung der Au­to­rin und Geo­man­tin Ana Daan­an zu den kel­ti­schen Ur­sprün­gen des win­ter­li­chen Brauch­tums al­len Le­sern ei­nen gu­ten Start ins neue Jahr!

Je­des Jahr, ab den ers­ten Ta­gen des De­zem­bers, be­ginnt die tiefs­te Win­ter­ru­he der Erde. Um in der har­ten Na­tur zu über­le­ben, muss­te man sich in frü­he­ren Zei­ten ein­schwin­gen in de­ren Rhyth­mus. Dies ta­ten un­se­re Vor­fah­ren, wozu auch die er­fah­re­nen kel­ti­schen Vieh­züch­ter und Bau­ern ge­hör­ten. Sie ka­men auf Grund ih­rer Na­tur­be­ob­ach­tun­gen dar­auf, dass die Nach­kom­men ih­rer Haus­tie­re, um die­se Zeit ge­zeugt, meist Schwäch­lin­ge wa­ren oder aber, dass trotz Ko­pu­la­ti­on über­haupt kein Nach­wuchs kam. „Die Kraft der Na­tur hat ge­fehlt“.

Sie er­kann­ten: Das Pen­del der Na­tur schwingt und die Re­geln der Mut­ter Erde gel­ten für al­les Le­ben, auch für die Men­schen. Zu An­fang der stil­len Wo­chen fei­er­te man da­her ei­nen Lehr- und Schutz­brauch, wel­cher in die­sen Ta­gen, in stark ver­än­der­ter Form, auch heu­te noch ge­fei­ert wird. Da­mals ging, vor­ran­gig in länd­li­chen Ge­gen­den, eine klei­ne Schau­grup­pe von Haus zu Haus und er­reich­te so die zu Be­leh­ren­den.

„Vor­an schrei­tet der wei­se Alte (bei den Kel­ten si­cher der Drui­den­pries­ter). Ihm folgt ein Braut­paar und zeigt so sei­ne Be­reit­schaft und sei­nen Ge­hor­sam an, der Weis­heit des Al­ten zu fol­gen. Das Braut­paar wird um­tanzt vom Kram­pus. Der Kram­pus ver­kör­pert die schä­di­gen­den Kräf­te, die ‘schlechten/ schwa­chen’ En­er­gi­en der Erde, die in die­sen Wo­chen den ge­sun­den Nach­wuchs ver­hin­dern oder be­ein­flus­sen konn­ten; des­halb wird der Kram­pus der Kin­der­feind ge­nannt, was er durch sei­ne Häss­lich­keit, sei­ne dro­hen­den Ge­bär­den, sein Be­mü­hen viel Krach zu er­zeu­gen, dar­tut. Zum Schluss der Grup­pe geht ein ge­brech­li­cher, hilf­lo­ser Bett­ler, den nie­mand um­sorgt.“ (aus: M. Sills-Fuchs: „Wie­der­kehr der Kel­ten”)

Die­ser Lehr­brauch wur­de ge­wiss nicht er­folg­los durch­ge­führt und so hat so­gar in be­stimm­ten ka­tho­li­schen Ge­gen­den die Kir­che eine Ehe­schlie­ßung in den stil­len Wo­chen des Ad­vents nicht ger­ne ge­se­hen. Die Aus­sa­ge die­ses kel­ti­schen Schutz- und Lehr­brauchs war für den mit der Na­tur ver­bun­de­nen Men­schen und drückt fol­gen­des aus:

„Folgt dem er­fah­re­nen Wei­sen und der Na­tur, ent­hal­tet Euch in den stil­len Wo­chen des Ge­schlechts­ver­kehrs, wie die Na­tur es vor­macht, sonst be­kommt ihr schwäch­li­che Kin­der oder viel­leicht gar kei­ne und wer­det im Al­ter hei­mat­lo­se Bett­ler sein.“ (aus: M. Sills-Fuchs: „Wie­der­kehr der Kel­ten”)

Bild: Eu­gè­ne Gras­set (1845−1917)

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